Meine Jugend – Marine – Fachlehrgang 1

Der nächste Ausbildungsabschnitt bestand fast ausschließlich aus theoretischem Wissen und wurde deswegen allgemein als Fachlehrgang bzw. F1 bezeichnet.

Hier sollten wir nun alles lernen, um als Maat (Unteroffizier) in der Truppe einen Dienstposten selbstständig ausfüllen zu können.

Vieles über den Aufbau und Ablauf der militärischen Organisation und alles, was im Stabsdienst an Arbeiten dazu anfällt.

Unter anderem gleichfalls die Kenntnisse, um Mannschaftsdienstgrade zu führen, als Wachhabender eigenverantwortlich zu handeln und mit Gleichrangigen reibungslos zusammenzuarbeiten.

Den praktischen Teil würden wir anschließend, nach bestandener Fachprüfung, in weiteren drei Monaten vermittelt bekommen.

So langsam wurde mir klar, dass ein Unteroffizier im Stabsdienst mehr als nur ein Schreibtischjob war.

Mir kam das Ganze vor, als würden die drei Jahre meiner Ausbildung zum Industriekaufmann, innerhalb von neun Monaten aufs Militärische übertragen und noch um einiges ergänzt.

Dass wir jetzt nicht mehr die Greenhorns in der Kaserne, sondern zusammen mit Gefreiten und Obergefreiten aus der Truppe die angehenden Unteroffiziere waren, fühlte sich unglaublich gut an.

Denn dies zeigte sich ebenfalls in der Art der Unterbringung.

Auf zwei bis vier Mann Zimmern, ohne Ausbilder im gleichen Gebäude einquartiert, bedeutete eine deutliche Verbesserung unserer Lebensqualität.

Morgens wurden wir von einem Kameraden, der Wachdienst hatte, geweckt und konnten alleine zum Essen, sowie später zum Unterricht gehen.

Die Kontrolle unserer Zimmer und Gemeinschaftsräume erfolgte durch den Spieß unter der Woche in der Zeit unseres Unterrichtes.

Der wachhabende Gefreite vom Dienst holte sich eventuelle Beanstandungen vor der Mittagspause ab, sodass diese bis Unterrichtsbeginn behoben werden konnten.

Lediglich freitags hatten wir noch ein gemeinsames Großreinschiff mit Abnahme durch die Ausbilder.

Auch konnten wir in der Freizeit das Gebäude verlassen, ohne uns abmelden zu müssen und schlafen gehen, wann wir es für richtig hielten.

Nur wenn wir aus dem Kasernenbereich hinaus wollten, mussten wir uns einen Landgangschein beim Unteroffizier vom Dienst holen.

Wobei dies ebenso für die in der Kaserne untergebrachten Ausbilder galt.

Dies war notwendig, um rasch einen Überblick zu haben, sollte mal etwas passieren oder eine Übung von übergeordneter Stelle angesetzt werden.

Immerhin war es die Zeit der aktiven RAF, die auch gelegentlich Bundeswehranlagen angriffen.

Mit diesen vielen Erleichterungen sowie der Möglichkeit, immer wieder einmal am Strand zu liegen und im Meer zu baden, fühlte sich der Sommer auf der Insel gleich ganz anders an.

Dennoch war deutlich zu spüren, dass wir nicht in einem Ferienlager waren, sondern Teil einer militärischen Einheit.

Dazu gehörten tägliche kleinere Fitnesseinheiten wie z. B. vorm Frühstück einen 5.000-Meter-Lauf um den Sportplatz oder 30 Minuten Schwimmen.

Jeder konnte sich aussuchen, was ihm am besten lag.

Lediglich am Ende der Ausbildung mussten wir eine Prüfung, als Nachweis unserer körperlichen Konstitution, ablegen.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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