Meine Kindheit – Das erste Mal im Krankenhaus

Meine erste Erfahrung mit einem Krankenhaus machte ich kurz vor meiner Einschulung.

Und die war sehr prägend für meine Einstellung gegenüber Ärzten und Krankenhäusern.

Von meiner Schwester bekam ich aus der Schule eine schöne Überraschung mitgebracht.

Es waren die Masern.

Was im Prinzip ja nichts Schlimmes ist in diesem Alter.

Eine Salbe gegen das Jucken, ein paar Tage Bettruhe und alles ist wieder in Ordnung, dachte und sagte unser Hausarzt.

Doch genauso, wie mein Vater, hatte ich öfters, ohne ersichtlichen Grund, sehr starkes Nasenbluten.

So auch einmal in der Zeit, mit den Masern.

Nur dass ich nichts davon bemerkte, weil es nachts passierte und ich im Schlaf das ganze Blut schluckte.

Irgendwann in der Nacht musste ich mich dann übergeben.

Als meine Eltern das viele Blut im Erbrochenen sahen, riefen sie unseren Hausarzt, welcher sofort kam.

Nach kurzer Untersuchung ließ er mich mit Blaulicht im Krankenwagen nach Heidelberg in die Uniklinik bringen, mit Verdacht auf toxische Masern.

Nur dachten in dieser Situation weder meine Eltern noch der Hausarzt daran, die Ärzte über mein oft plötzlich auftretendes Nasenbluten zu informieren.

Und so wurde ich gleich auf der Isolierstation untergebracht.

Dort musste ich dann Unmengen an Tabletten schlucken und mit täglichen Injektionen gequält.

Ich konnte die ganze Aufregung nicht verstehen und nahm, in meiner damals bereits vorhandenen stoischen Ruhe, alles gelassen hin, was passierte.

Leider wurde genau dies von den mich behandelnden Ärzten als typisches Krankheitssymptome falsch gedeutet.

Konnten sie sich ja kaum vorstellen, dass ein kleines Kind, alleine in einem kahlen Krankenzimmer, das nur mit einem Bett, einem Nachtkästchen, einem Tisch und einem Stuhl ausgestattet war, alles so klaglos hinnahm.

Noch dazu wo ein jeder, der hereinkam, vermummt war.

Wenn ich nicht von den Medikamenten müde den Tag verschlief, war meine einzige Abwechslung, dass ich tagsüber eine Gärtnerei und abends Fußballer auf einem Sportplatz beobachten konnte.

An jedem Wochenende kamen meine Eltern, mich zu sehen.

Doch auch das nur durch eine Glasscheibe, wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr.

Und fast alles, was sie mir mitgebracht hatten, mussten sie wieder mit nach Hause nehmen.

Ich erinnere mich daran, dass ich sie niemals zuvor so traurig gesehen hatte.

Das traf mich weit mehr, als das Alleinsein in dem tristen Isolationszimmer.

Erst als die Masern weg und keine weiteren Komplikationen aufgetreten waren, durfte ich nach Hause.

Seid diesem Aufenthalt habe ich etwas gegen Krankenhäuser, Ärzte, Medikamente.

Aber ganz besonders gegen Nadeln.

Alleine beim Gedanken an die vielen Spritzen sträuben sich noch heute meine Nackenhaare.

2 Antworten zu “Meine Kindheit – Das erste Mal im Krankenhaus

  1. Krankenhäuser sind grundsätzlich kein schöner Aufenthaltsort. – Aber, was Du da als kleiner Junge erleben musstest, hat ohne Zweifel Traumapotenzial.

    Ich war erst im Jugendalter das erste Mal in einem Krankenhaus. Dort hat man mir allerdings das Leben gerettet …

    Mögen tue ich Krankenhäuser deshalb aber trotzdem nicht wirklich.

    Schöne Grüße, Dieter, und hab‘ eine bei diesen Temperaturen hoffentlich eine doch erholsame Nacht!

    Gefällt 1 Person

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