Meine Jugend – unruhige Samstage Teil 2

Ganz anders verliefen die Samstage, wo ich nach Aussage meines Vaters „auf Ärger gebürstet war“.

Was sich da genau in mir abspielte, kann ich selbst heute nur damit erklären, dass es eben mein zweites Ich war.

Man könnte es fast als das genaue Gegenteil, nämlich das Dr. Jekyl/Mr. Hyde – Syndrom, bezeichnen.

Dementsprechend änderte sich dann gleichfalls mein Outfit, vom Anzug und Krawatte zu extra breitem Nietenarmband, Nietenjeans, Fliegerjacke und festes Schuhwerk.

Ob ich den Menschen damit zeigen wollte, sich besser von mir fern zu halten oder aber instinktiv meine Kampfbereitschaft demonstrierte, weiß ich nicht.

Meistens betrat ich grußlos, lediglich dem Wirt kurz Zunickend, eine meiner Stammkneipen.

Dort saß ich dann ruhig in einer Ecke oder am Ende des Tresens, mit dem Rücken zur Wand vor mich hin starrend.

So als wenn ich auf jemand oder etwas warten würde.

Lediglich kurz unterbrochen von der Bedienung, die im Wissen meiner Stimmung bloß kurz nachfragte, was ich trinken möchte.

Kam jemand vorbei, der mich kannte und grüßte, bekam er bestenfalls ein dahin geknurrtes “Tach” oder kurzes Kopfnicken zurück.

Ich fing zwar keinen Streit an, ging jedoch ebenso keinem aus dem Weg.

Von meinem Vater hatte ich gelernt, wenn ich in einen Streit komme, diesen möglichst gleich, mit ein paar gezielten Schlägen, zu beenden.

Doch war es selten damit abgetan, als Sieger aus solchen Kämpfen hervorzugehen, sondern es zog natürlich auch jede Menge Ärger mit den staatlichen Stellen nach sich.

Angefangen von einfachen Ermahnungen, kleinen Bußgeldern oder zum Schluss Sozialstunden, mit der Ankündigung nun das Ende der Fahnenstange erreicht zu haben.

Was so viel bedeutete, dass ich das nächste Mal mit einer Jugendstrafe zu rechnen hätte.

Da ich mich schon einige Zeit mit dem Gedanken trug, mich nach Beendigung meiner Lehrzeit als Zeitsoldat bei der Marine zu bewerben, musste ich zusehen, ein anderes Ventil zu finden, um Druck abzulassen.

Es fand sich im örtlichen Boxklub, wo ich mich im Ring austoben konnte oder bei sozialen Arbeitseinsätzen, die regelmäßig vom Verein durchgeführt wurden.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

Eine Antwort zu “Meine Jugend – unruhige Samstage Teil 2

  1. Unsere Azubis mutieren jeden Freitag zum Feierabend am Werkstor zu einer Horde junger Leute, die nur Unsinn im Kopf hat. Auch die Mädels.
    Aber waren wir nicht alle einmal so?

    Gefällt 3 Personen

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