Meine Marinezeit – ein neuer Rechnungsführer – 3

Die ersten Tage versuchte er noch den Bereich der Verpflegungskosten in den Griff zu bekommen.

Immer wieder bekam er von allen Seiten zu hören, wie gut es bisher unter meiner Regie lief.

Doch keiner war willens, ihm wenigstens kleine Hilfestellungen zu geben.

Wie es mir erschien, hatte er sich mit seiner Art bei den meisten unbeliebt gemacht.

Auch seine Bootsmannskameraden sahen ihn irgendwie als Fremdkörper, der sich mit Händen und Füßen sträubte, in die üblichen Bordabläufe integriert zu werden.

Und so wunderte es mich kaum, dass er mir bereits in der 1. Woche diese Arbeiten zur selbstständigen Ausführung übertrug.

Ich versuchte mein Bestes, aber mehr oder weniger war er beratungsresistent.

Daher musste ich regelmäßig hinter einzelnen Leuten herlaufen, die ihre Essensmarken abgegeben hatten.

Einige Male fehlte selbst der Name, zu wem sie gehörten.

Für mich ein normaler Vorgang, wenn ein unbekannter vor mir stand, Name und Division zu erfragen.

Wir mussten dann peinliche Durchsagen machen lassen, z.B. „Derjenige, der vorhin beim Rechnungsführer sich aus der Verpflegung meldete, bitte nochmal kurz dort vorbeischauen“.

Natürlich blieb dies nicht unbemerkt und regelmäßig mussten wir zuerst beim Versorgungsoffizier, später beim 1. Offizier antanzen.

Zu meinem Glück hatte ich die ganzen Abläufe vor längerer Zeit schriftlich festgehalten und diese sogar von der Truppenverwaltung gegenzeichnen lassen.

Mein vorgesetzter Offizier bestätigt, diese zum Dienstantritt dem neuen Refü-Bootsmann ausgehändigt zu haben.

Dadurch verbesserte sich die Beziehung zwischen uns eher zum schlechteren und nach ein paar weiteren Zwischenfällen, reichte er ein dringendes Versetzungsgesuch ein.

Es war ihm einfach zuviel Stress für 250 Mann, die diversen Geldangelegenheiten zu bearbeiten.

Erschwerend sah er es dann auch an, die diversen Listen per Hand ausfüllen zu müssen.

Bei seiner vorherigen Dienststelle, ein Marinefliegergeschwader, hatte er es maximal mit 10 bis 15 Mannschaftsdienstgraden zu tun.

Die lediglich Wehrsold, Reisekosten und Verpflegungsgeld ausgezahlt bekamen.

Alles fein säuberlich mit der Schreibmaschine in die entsprechenden Formulare getippt.

Wie es mir erschien, hatte er sich dort auf die Reisekostenabrechnungen der Offiziere, die auf Weiterbildung zum Teil ins Ausland gingen, spezialisiert.

Außerdem vertrug er die Seefahrt nicht, schon wenn die letzten Taue gelöst waren, hing er in den Seilen und würgte seine letzten Mahlzeiten heraus.

Doch dies ist eine andere Geschichte, die in Kürze folgt.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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