Meine Marinezeit – ein neuer Rechnungsführer – 2

Bis zum Mittagessen verbrachte der neue Rechnungsführer die Zeit damit, seine Reisekostenabrechnung auszufüllen.

Ich hatte eigentlich nichts zu tun und wartete, ob er mich eventuell irgendwann ansprechen würde, um den gemeinsamen Arbeitsablauf abzustimmen.

Gedanklich sortierte ich dafür schon mal die einzelnen, als Nächstes anstehenden bzw. die jeden Tag anfallenden, Aktivitäten.

Was, wer dann wie übernehmen würde, läge in seiner Entscheidung.

Aber auch am Nachmittag regte sich da von seiner Seite nichts.

Nun wartete ich gespannt auf den nächsten Morgen, wo bis spätestens 10 Uhr die Anzahl der am Essen Teilnehmenden nach Dienstgruppen beim Proviantmeister respektive seinem Stellvertreter zu melden war.

Ansonsten standen keine dringenden Arbeiten an, bis zum Monatsende die dann fälligen Auszahlungslisten der Bordzulage.

Genug Freiraum für den neuen, sich langsam in die Bordabläufe einzugewöhnen, dachte ich zumindest.

Allerdings schien er die Idee zu haben, dies alles selbst besser zu wissen, obwohl er bisher lediglich eine kleine Rechnungsführerei beim Marinefliegergeschwader als Dienstposten bekleidete.

Natürlich gab es dort keine Zulage für Borddienst und die Verpflegungskosten wurden über die Kasernenkombüse geregelt.

Verständlicherweise kümmerte er sich dann nicht darum, die Meldung für unsere Schiffskombüse zu erstellen.

Sein Bootsmannskollege aus der Küche hielt sich mit einer Aufklärung darüber zurück.

Auch die Meldung vom Wachtmeister über kranke bzw. nicht an der Verpflegung teilnehmenden Mannschaften schlummerte ebenfalls in der Wachtmeisterei.

Völlig überrascht erfuhr er vom Versäumnis, als nach Ablauf der üblichen Abgabezeit plötzlich unser Schott von einem recht sauer dreinblickenden Obermaat aufgerissen wurde.

Mit einer Handbewegung verwies ich diesen an meinen Vorgesetzten, der mir deutlich am Vortag klarmachte, dass ich ohne seine Anweisung keine Tätigkeiten auszuführen habe.

Irgendwie tat er mir ja in diesem Moment etwas leid und ich kämpfte mit mir, nach dem Frühstück, ihm nicht wenigstens einen kleinen Tipp zu geben.

Anstelle daraus zu lernen, ließ er mich weiter im eigenen Saft beim Nichtstun schwitzen.

Kein wirklich guter Start, zumindest nach meinem Empfinden, und es sollte im gleichen Stil weitergehen.

Das konnte noch heiter werden, ging mir durch den Kopf, doch ich genoss den, zumindest teilweise, sehr ruhigen Bordalltag in der Werft.

Bisher sah ich noch keinen Grund einzugreifen, dennoch immer bereit jederzeit zu helfen.

Also behielt ich ein waches Auge darauf, was er gerade tat oder versäumte.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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