Meine Marinezeit – Auszahlungen bei Sturmfahrt – Teil 2

Nach dem Mittagessen blieb mir zum Glück noch Zeit, um mich zur Entspannung in mein Büro mittschiffs am Oberdeck zu begeben.

Der Weg dahin war das schwierigste, da überall die Sturmleinen zur Absicherung angebracht waren und die See öfters das gesamte Deck unter Wasser setzte.

Die Kasse hatte ich schon vorher in den Tresor des 1. Offiziers einschließen lassen, wo ebenfalls der größte Teil des Geldes lag, das wir während der gesamten Seefahrt benötigten.

Ich hatte es in kleinen, gut sortierten Einheiten verpackt, mit Dienstsiegel versehen und von mir, sowie dem Versorgungsoffizier unterschrieben dort hinterlegt.

Die Vorgehensweise hatte ich gleich zu Beginn meiner übernommenen Tätigkeit als Rechnungsführer sowohl mit der zuständigen Truppenverwaltung als auch mit dem IO abgeklärt.

So konnte ich ganz genau nur das in meiner eigenen Kasse verwahren, das ich für die nächste Auszahlung benötigte + einen kleineren Bestand an Wechselgeld.

Mein kleiner Tresorwürfel war für die Verwahrung von solch hohen Geldbeträgen, die zum Teil über 1. Mio. DM (inklusive diversen Fremdwährungen) waren, nicht sicher genug gewesen.

Am Nachmittag, kurz vor dem auf dem Tagesplan festgelegten Zeitpunkt, holte ich mir meine Auszahlungskasse wieder ab.

Bei den folgenden Auszahlungen musste ich bloß darauf achten, dass sich niemand hinter meinem Rücken herumdrückte oder meinte, irgendwelche seltsame Späßchen treiben zu müssen.

Je höher der Rang, um so mehr kamen mir manche vor wie Kinder aus dem Kindergarten.

Es könnte daran liegen, dass, wenn sie unter sich sind, irgendwie die Unbeschwertheit ausleben möchten/müssen, damit sie die nötige Ernsthaftigkeit gegenüber ihren Untergebenen aufrechterhalten können.

Ich kenne dies z.B. das man sich vor einem schweren Einsatz nochmal total entspannt und zum Teil sehr kindisch aufführt im Team.

Eine Ausschüttung von diversen körpereigenen Drogen, unter anderem Endorphine, Adrenalin, Dopamin, Serotonin.

Dass ich diese, unter erschwerten Bedingungen, durchgeführten Geldtransaktionen ohne einen Pfennig Fehlbestand in der Kasse durchziehen konnte, verdankte ich zum Teil wohl ebenfalls diesen von meinem Körper ausgeschütteten Stoffen.

Außerdem befand sich mein Körper in Hochform, durch drei bis vier Mal je zwei Stunden intensivstem Fitness- und Krafttraining, wenn wir im Heimathafen lagen.

Nach dieser Aktion hatte ich endgültig bei fast jedem an Bord Pluspunkte gesammelt, die meine weiteren Aktivitäten bedeuten erleichterten.

Ausnahmen gibt es immer, die aus irgendwelchen Gründen etwas zum Aussetzen haben, was mich jedoch keinesfalls dazu bewegte, meine aktuelle Machtposition auszunützen.

Die wiederum ärgerte wahrscheinlich ein Großteil dieser Artgenossen, da sie selbst jeden Vorteil, der sich ergibt, ausnutzten.

Wobei, wenn ich es mir richtig überlege drei Bootsmänner und 2 Offiziere bei einer Mannschaftsstärke von 250 keine schlechte Quote ist.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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