Meine Marinezeit – Schießübung Portland — (Nachspiel)

Wieder einmal hatten wir erfolgreich im Geschwader beim Übungsschießen vor England den Sieg über die moderneren Schiffe der Engländer errungen.

In der Vorfreude auf einen gemütlichen Abend im Amüsierviertel des Hafens hatten die Freiwächter die Erlaubnis, sich die üblichen zwei Bier pro Tag zu genehmigen.

Dies bedeutete für uns Unteroffiziere, die nicht bei der Bordkantine anstehen mussten, aus unserem Messevorrat entsprechende Getränkeausgabe.

Am beliebtesten war damals Rum mit Kola, in einem extrem heftigen Gemisch, da ein Softgetränk deutlich mehr als der Alkohol kostete, welchen wir zumeist für ein bis zwei Mark pro Liter zollfrei bezogen.

Bei einer leicht angeheiterten Stimmung stimmte unser 11er-Obermaat, der ein Organ hatte wie ein ausgebildeter Kammersänger, folgendes Lied (nach der Melodie von den Caprifischern) an:

Wenn vor Portland die Royal Navy im Meer versinkt
und der Fletscher Zerstörer
langsam zum Abschied winkt.“
…. der Rest vom Text ist leider verloren gegangen.

Refrain: „Bela, Bela Limey uns besiegst du nie“

Wir wussten nicht, dass gerade die Abschlussbesprechung, mit allen beteiligten Kapitänen, durch unseren Geschwaderkommandeur, in der Offiziersmesse stattfand.

Unser Vorsänger, der den Text des Liedes kreiert hatte, war nicht zu überhören und ebenfalls die rund 20 Unteroffiziere in unserer Messe, die kräftig mitsangen.

Erst als ohne Vorwarnung die Türe aufgerissen wurde und der wachhabende Offizier dort erschien, klang das Lied langsam aus.

Während er uns lautstark zurechtwies, wohl hauptsächlich für die Ohren der englischen Offiziere, grinste er bis über beide Ohren.

Ungünstigerweise hatte dies noch ein Nachspiel, denn wir durften am Abend nicht in den Hafen einlaufen, sondern mussten vor Reede liegen bleiben.

Lediglich unser Kantinenführer mit zwei Matrosen hatte die Erlaubnis, im Duty Free zollfreie Ware fürs Schiff einzukaufen.

Ansonsten kam nichts Weiteres auf uns zu, dazu waren wir vom Kommandanten bis zum letzten Mannschaftsmitglied eine zu eingeschworene Gemeinschaft.

Das Erste, was man an Bord lernte, war das Fletschersignal und wenn dies irgendwo ertönt, einer der Kameraden in Nöten ist, jeder sofort bereit sein muss zu helfen.

Auch wenn wir sonst im Geschwader ein gewisses Konkurrenzdenken hatten, galt bei diesem Signal Hilfe für einen Fletscherfahrer hat oberste Priorität.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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4 Antworten zu “Meine Marinezeit – Schießübung Portland — (Nachspiel)

  1. Solltest Du noch erwähnen, dass Er die Melodie von den Caprifischern dazu genommen hat.

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  2. Wollte auch noch sagen, dass so ein „Einer für alle, alle für einen“ eine unglaubliche Persönlichkeitsstärke mitbringt, die im weiteren Leben unglaublich hilfreich gewesen sein muss.
    Wirklich schön, sich sowas vorzustellen, geschweige denn es sogar erleben zu dürfen!!!!

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    • Damit hast du Recht, mein geliebtes süßes Mausebärli ❤
      Jeder übernimmt für jeden die Verantwortung, was besonders auf hoher See überlebenswichtig sein kann.
      Und sich dann im Zusammengehörigkeitsgefühl ebenso auf das Land auswirkt.

      Gefällt 1 Person

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