Meine Marinezeit – Verpflegungsprobleme Teil 2

Nun hatte ich die Grundlagen zur exakten Kontrolle des Nahrungsmittelverbrauchs.

Damit konnte ich an die nächsten Schritte gehen, die Kostenproblematik in den Griff zu bekommen.

Dabei ging es nicht darum, die Menge zu reduzieren, sondern lediglich den Umfang der weggeworfenen Essensreste.

Denn damit hätte man leicht eine halbe Kompanie verpflegen können und dies war nicht bloß meine Einschätzung, sondern ebenso des Obermaaten der Küchenbrigade.

Während der Seefahrtzeit war ich fast jeden zweiten Tag als Unteroffizier vom Dienst, der für alle den Innendienst betreffenden Angelegenheiten zuständig ist, eingeteilt.

In dieser Dienststellung oblag mir auch die Überwachung der Essensausgabe und Reinigung der Mannschaftsmesse, durch die mir unterstellten Matrosen vom Dienst.

Ich holte mir die Genehmigung, bei den Essensausgaben, Leute aus dieser Wachmannschaft, als Kontrolle einsetzen zu dürfen.

Verständlich, dass die Mannschaftsdienstgarde wenig begeistert die Neuerungen aufnahmen und ihre diensttuenden Kameraden ihre Arbeit schwer machten.

Um meinem Vorhaben Nachdruck zu verleihen, stand ich oft selbst mit vor den Mülltonnen.

In dem Jahr an Bord hatte ich einen gewissen Ruf bekommen, dass ich in bestimmten Angelegenheiten keinerlei Spaß verstände und bereit sei, meine Anweisungen mit allen Mitteln durchzusetzen.

Wer sich nicht an meine Regeln hielt, dessen Namen notierte ich mir und bei anhaltenden Verstößen, regte ich entsprechende Disziplinarmaßnahmen an.

Andererseits war ich für jeden zu jeder Tages- und Nachtzeit da, wenn er Schwierigkeiten hatte.

Außerdem machte ich die Köche darauf aufmerksam, kleinere Portionen auszugeben bzw. darauf zu achten, dass am Buffet die Tabletts weniger vollgeladen wurden.

War noch etwas da und jemand fragte nach einem Nachschlag, den er selbstverständlich verzehren musste, bekam er diesen ohne Probleme.

Bei den Bootsmännern und Offizieren führte ich in ihren Messen Stichpunktkontrollen durch.

Ich hatte keine Probleme, Verstöße beim Messeältesten zu beanstanden bzw. beim ersten Offizier, wenn es sich nicht änderte oder mir offen gesagt wurde, dass sie sich an meine Regelungen auf keinen Fall halten würden.

Immer wieder gab es welche, die meinten, wegen ihres höheren Dienstgrades mich ignorieren zu können.

Dies führte schon mal dazu, dass ich zum Beispiel die Fleischstücke nachzählte, die von den entsprechenden Messen abgeholt wurden.

Wenn nur 1 Stück pro Person vorgesehen war, bestand ich darauf, dass sich alle danach richteten oder eine weitere Essensmarke kaufen mussten.

Diese Regelung galt ebenfalls für Gäste oder Familienangehörige, denn einen gewissen Überhang wurde immer mehr gekocht.

Mein größtes Problem waren meine mir rangmäßig gleichgestellten Unteroffiziere, die teilweise meinten, als lang gediente Fahrensmänner, Sonderrechte zu haben.

Es sollte einige Monate dauern, bis ebenfalls der letzte, zum Teil durch den sichtbaren Erfolg, sich meinen Anordnungen unterwarf.

Meine Grunddevise lautetet „keine Essensmarke, kein Essen“ und „jeder vom kleinsten Matrosen bis zum Kommandanten bekommt die gleiche Menge an Essen“.

Obwohl es etliches an Mehrarbeit für mich bedeutete, war es für mich eine große Befriedigung, als wir am Jahresende keine roten Zahlen mehr schrieben.

Alle waren mit der Verpflegung zufrieden und wir hatten sogar Geld für besonders gute Verpflegung an Fest- und Feiertagen übrig.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle
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3 Antworten zu “Meine Marinezeit – Verpflegungsprobleme Teil 2

  1. Interessante Story. Lustig mal in diese Welt einzutauchen.

    Gefällt 2 Personen

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