Meine Marinezeit – erster Zahltag alleine – Teil 2

Mit einem leicht unruhigen Gefühl machte ich mich, mit dem schwarzen Geldkoffer in der Hand, auf den Weg zum Schiff.

Dazu musste ich das Kasernengelände, auf dem die Zahlstelle lag, verlassen und circa 500 Meter durch eine wenig frequentierte Straße zum Marinehafen gehen.

Wobei ich mir dachte, wer würde schon auf die Idee kommen, dass am Auszahlungstag gerade ein so junger Maat mit dem Geld ohne zusätzliche Wache unterwegs wäre.

Dennoch befand sich meine andere Hand in der Nähe der Pistole, die ich extra für diesen Dienstgang erhielt.

Die anderen Bootsmänner des Geschwaders hatten einen gemeinsamen Dienstwagen mit einem Wachsoldaten, machten jedoch keine Anstalten, mich mitzunehmen.

An Bord hatte ich alles am Vortag soweit vorbereitet, dass ich lediglich von der Schiffswache die Durchsage machen lassen musste „Klarmachen zur Auszahlung, Divisionsweise, wie auf dem Tagesdienstplan angekündigt“.

Ich war zwar noch nicht lange auf dem Schiff, hatte dennoch mir genügend Respekt verschafft, dass bei aufkommender Unruhe meine ermahnenden Worte Gehör fanden.

Und so konnte ich in aller Ruhe einen nach dem anderen aus den diversen Listen, zu meinem Glück diesmal bloß Bordzulage und Verpflegungsgeld, auszahlen.

Den dazu passenden Ablauf konnte ich mir noch von meinem alten Rechnungsführer abschauen, sonst wäre ich wahrscheinlich ganz schön ins Trudeln gekommen.

Pünktlich zur Essenszeit war ich mit etwa der Hälfte der Mannschaft durch.

Die Offiziere und Bootsleute würden erst am späten Nachmittag in ihren Messen ihr Geld bekommen.

Leider mussten die Unteroffiziere ihre Zahlungen noch an der offiziellen Auszahlungsstelle, wie die Mannschaftsdienstränge in Empfang nehmen.

Dies änderte ich zur nächsten Auszahlung, mit Zustimmung aller dafür zuständigen Vorgesetzten.

Es blieb ihnen auch nichts anderes übrig, denn anderenfalls hätte ich auf die Dienstvorschrift gepocht.

Danach durfte außerhalb der Zahlstelle keine Geldauszahlungen vorgenommen werden.

Ein erster Achtungserfolg, dem sich noch weitere in den nächsten Monaten/Jahren anschließen sollten.

Gerade als ich nach dem Mittagessen eine weitere Auszahlungsrunde beginnen wollte, bekam ich überraschend Besuch.

Der Amtmann der Truppenverwaltung, stand plötzlich vor mir, zu einer Sonderprüfung.

Mit dem Hinweis, ich würde über die Schiffssprechanlage durchgeben lassen, wann es weiter geht, musste ich die anwesenden Seeleute wegschicken.

Nach knappen 30 Minuten war alles geprüft und kein Fehler in der Kasse festgestellt.

Lediglich eine Sammelbüchse für unsere Patenstadt und der unsachgemäß befestigte Tresorwürfel wurden beanstandet.

Für beides waren indes der Versorgungsoffizier und 1. Offizier zuständig, dies wurde ausdrücklich im Prüfbericht vermerkt.

Die restliche Auszahlung erfolgte ohne weitere Probleme oder Störungen.

Ein für mich persönlich großer Erfolg, immerhin 250 Geldtransaktionen ohne einen Pfennig Kassendifferenz gleich beim 1. Mal.

Im Nachhinein betrachtet einer der einfachsten Auszahlungstage, ohne Fremdwährungen oder diversen Zusatzbelegen, wie z.B. Reisekostenabrechnungen.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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