Meine Marinezeit – erster Zahltag alleine – Teil 1

Bis zum Tag der Auszahlungen ging ich noch mehrmals alle einzelnen Schritte durch, um ja nichts zu vergessen.

Zum Glück hatte ich rechtzeitig bei der Geschwaderzahlstelle meine Listen und Auszahlungswünsche eingereicht, denn der dortige Hauptbootsmann weigerte sich zuerst die Geldübergabe an mich durchführen.

Er meinte, laut Dienstvorschrift dürfte er nur an einen Bootsmann solch hohe Beträge auszahlen.

In meiner Not wandte ich mich an den Amtmann der Truppenverwaltung, die meine fachlich übergeordnete Dienststelle war.

Warum ich dort so ein gutes Ansehen hatte, dass dieser sich bereit erklärte, es für mich zu klären, ist mir bis heute unklar.

Ich musste circa 15 Minuten vor seinem Büro warten, dann kam er heraus, mit einem Schriftstück in seiner Hand und gemeinsam gingen wir zur Auszahlungsstelle.

Erst durch Intervention dieser Amtsperson ließ sich der Leiter der Zahlstelle überzeugen, mich, bis auf weiteres, wie einen Rechnungsführerbootsmann zu behandeln.

Am Zahltag war ich, um alles in aller Ruhe über die Bühne zu bekommen, bereits eine gute Stunde, bevor die Auszahlung offiziell begann, vor Ort.

Der Zahlstellenleiter registrierte es mit einem Kopfschütteln und ein paar unverständliche Worte, die er leise vor sich hin murmelte.

Um die Wartezeit zu überbrücken, hatte ich mir zwar etwas zum Lesen mitgenommen, aber nicht an Trinken geschweige Essen gedacht.

Als die Sekretärin der Amtsstelle vorbeiging, um das 2. Frühstück für ihre Kollegen zu holen, musste ich einen hungrigen Eindruck auf sie gemacht haben, denn sie fragte, ob sie etwas für mich mitbringen könne.

Gerne nahm ich das Angebot an und freute mich über die große Tasse Kaffee und dem Mettbrötchen, das ich bekam.

In Gedanken notierte ich mir, beim nächsten Besuch im Amt, ihr dafür ein kleines Geschenk mitzubringen.

Wie geplant, kam ich als erster an die Reihe, mein Auszahlungsgeld entgegennehmen zu dürfen.

Wahrscheinlich wie von den anderen gewohnt, zählte er mir die Geldbündel und die Münzgeldrollen hin und meinte, ich solle dies jetzt quittieren.

Allerdings bestand ich darauf, jedes Geldscheinbündel nachzuzählen, was er mit einem mürrischen Blick quittierte.

Für das Münzgeld gab es eine Waage mit genauen Angaben, wie schwer eine Rolle mit den einzelnen Münzen sein muss.

Auch diese nutzte ich, um sicherzustellen, dass alles seine Ordnung hatte, da ich für fehlendes Geld persönliche haften würde.

Inzwischen waren die anderen Rechnungsführer eingetroffen und moserten herum, was so lange dauern würde.

Und so war es mir gelungen, gleich beim ersten Mal viele neue „Freunde“ zu finden, die es sowieso nicht gerne sahen, dass ein einfacher Maat ihre Arbeit machte.

Aber da ich nicht dort war, um Freunde zu finden, sondern meinen Dienst bestmöglich zu verrichten, interessierte es mich wenig.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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