Meine Marinezeit – ohne Rechnungsführer

Froh nach der langen Seefahrt für länger Land unter den Füßen zu haben und die Freizeit in der Stadt genießen zu können, störte der kalte Winter in Deutschland unwesentlich.

Die meisten nutzten die nächstbeste Gelegenheit, um nach Hause zu fahren.

Mir war es zu weit und das Wetter nicht gerade einladend für eine lange Fahrt im Auto, bloß um ein paar Tage in meiner Heimatstadt zu verbringen.

Und so war ich nicht abgeneigt, die Wache von Weihnachten bis Neujahr zu übernehmen, davon ausgehend, dass es eine ruhige Zeit werden würde.

Außerdem konnte ich einen Teil der vereinbarten zusätzlichen Wachdienste für die im letzten Hafen (Vigo) entfallenen ableisten.

Allerdings hatte ich nicht damit gerechnet, meinen Rechnungsführerbootsmann nur noch kurze Zeit an meiner Seite zu haben.

Denn kurz vorm Zahltag drückte er mir die Tresorschlüssel in die Hand und verabschiedete sich.

Dadurch durfte ich alles für die nächste Auszahlung alleine vorbereiten, während er es sich in der Nähe von Kiel in seinem Haus gemütlich machte.

Eine große Herausforderung, auf die er mich jedoch in den letzten Monaten bereits vorbereitete, bevor seine 12-jährige Dienstzeit bei der Marine zu Ende ging.

Denn die nächsten Monate würde er lediglich damit verbringen, in Vollzeit Lehrgänge für seinen künftigen Beruf als Wirtschaftsprüfer zu besuchen.

Da er in dieser Zeit noch offiziell seinen Dienstposten innehatte, sah ich mich als sein Stellvertreter auf mich alleine gestellt.

Wer da bei der Planstellenbesetzung schlief, unser Personaloffizier, das Geschwader oder die Marinestammdienststelle, keine Ahnung.

Zumindest sollte dieser Zustand einige Monate andauern, warum auch immer, denn es konnte keine Ausnahme sein, dass solch ein wichtiger Dienstposten rechtzeitig besetzt wird.

Als einzige Sicherheitsmaßnahme musste der Versorgungsoffizier jeden meiner Belege als „sachlich richtig“ gegenzeichnen.

Zu Beginn kamen gelegentlich Rückfragen, aber nach relativ schnell wurde es zur reinen Routine.

Er sah wohl ein, obwohl Fachoffizier, also selbst einmal als Rechnungsführerbootsmann tätig gewesen ist, dass ich meine Arbeit fachkundig erledigte.

Die nächste Hürde, das Geld für die Auszahlung von der Geschwaderkasse zu erhalten, verlief durch ein paar Tipps vom dortigen alten Rechnungsführerbootsmann ebenfalls problemlos.

Ich hätte sonst nicht gewusst, in welcher Stückelung ich die Summe bräuchte, um die teilweise krummen Beträge, auf Mark und Pfennig exakt, ausgeben zu können.

Nun stand meiner Feuertaufe, das Geld ordentlich unter die Mannschaft zu bekommen und meine Kasse ohne Fehlbetrag abzurechnen, nichts mehr im Weg.

Ehrlich gesagt, hatte ich ein leicht flaues Gefühl in der Magengegend, wenn ich an die große Geldmenge dachte, die da durch meine Hände fließen würden.

Nicht zu vergessen, es war meine erste Dienststelle und ich gerade vor ein paar Tagen erst 19 Jahre alt geworden.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine – 1. Dienststelle

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