Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Sturmfahrt

Auf der Fahrt von Portland nach Brest kamen wir durch den Ärmelkanal in den Atlantischen Ozean.

Dies machte sich schon bei normalem Wetter durch einen ganz anderen Wellengang bemerkbar.

Jedoch sollten wir auf der Weiterfahrt nach Brest dort unsere erste richtige Sturmfahrt erleben.

Unser Kapitän war der Meinung, dass wir als Kriegsschiff im Einsatzfall auch nicht einen Auftrag unterbrechen könnten.

Alle anderen im Konvoi befindlichen Schiffe, die an der Übung teilnahmen, liefen früher oder später den nächsten Nothafen an.

Ich saß also nichtsahnend in meiner Arbeitskabine, als die Durchsage kam, dass alles sturmfest zu verstauen wäre.

Und nachdem sich mein Bootsmann bereits in die Messe verzogen hatte, blieb die ganze Arbeit an mir hängen.

Also ging ich daran, alles was frei herumlag, in den diversen Schubladen zu verstauen und die Ordner mit Sturmbändern im Regal zu sichern.

Nachdem ich dann mit dem Arbeitsstuhl quer durch die Kabine geschleudert wurde, entschloss ich mich, mich mit Seeparker, Schwimmweste und Kamera dem Unwetter zu stellen.

Denn wenigstens ein paar Aufnahmen meiner ersten Sturmfahrt wollte ich im Kasten haben.

(Link zu den Bildern)

Auch um zu verhindern, dass meine Erzählung davon als Seemannsgarn angesehen würden.

Schritt für Schritt hangelte ich mich an den Sicherungsleinen, die dafür extra gespannt wurden, gegen den Sturm vorwärts.

Jeden Windschutz ausnutzend zum Durchatmen oder Bilder zu machen.

Natürlich musste der Kapitän gerade in diesem Moment den Kurs wechseln.

Das Schiff fuhr nun nicht mehr mit den Wellen, sondern quer zur See, was einem Ritt auf einem wilden Pferd gleichkam.

Viele meiner Kameraden, die keinen Wachdienst hatten, waren in der Unteroffiziersmesse versammelt.

Sie schlossen Wetten ab, wann die großen Geschütztürme wohl über Bord gehen würden, um zu verhindern, dass unser Schiff kentert.

Dazu hatten wir ein Pendel montiert, der anzeigte, dass wir teilweise eine Schräglage von fast 45 Grad erreichten.

Zum Glück überstanden wir aber das Unwetter mit nur leichten Schäden, die weitgehendst mit Bordmitteln repariert werden konnten.

Lediglich der Windschutz auf der Brücke musste in Brest komplett erneuert werden.

Das Metall war verbogen, als wäre es aus Papier gewesen.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

8 Antworten zu “Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Sturmfahrt

  1. Das waren noch Zeiten, Dieter, von der Leyen hat in den Jahren viel geleistet.

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  2. Nach dieser Fahrt habt Ihr Jungspunde Euch sicher für unverwundbar gehalten – könnte ich mir gut vorstellen.

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  3. Vielen Dank für die schönen Fotos und den interessanten Bericht lieber Dieter.

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