Meine Marinezeit – 1. Übungsfahrt im Geschwader (Teil 2)

Nach diesem anstrengenden und zum Teil stressigen Tag hatte kaum jemand Probleme damit, in der ungewohnten schaukelnden Umgebung einzuschlafen.

Wir mussten einiges in kurzer Zeit lernen, vor allem wie wichtig der Zusammenhalt der einzelnen Schiffsgruppen bzw. die gesamte Schiffsmannschaft ist.

Man musste einfach den älteren bzw. Vorgesetzten vertrauen, damit ein ungefährlicher und reibungslos Ablauf gewährleistet ist.

Befehle bedeuteten nicht, dass man darüber Diskutieren kann, sondern unverzügliche korrekte Ausführung.

Ein Zögern zur falschen Zeit konnte einen Kameraden oder sogar das Schiff gefährden.

Die See war in dieser Hinsicht unerbittlicher als jeder andere Gegner.

Wobei es sich in diesen Tagen und bei dem Wetter fast wie eine gemütliche Butterfahrt anfühlte.

Am 3. Tag waren wir dann endlich im Schießgebiet und der Stress sollte erst richtig losgehen.

Immerhin lagerte scharfe Munition in unserem Geschützbunker und wir hatten aufzupassen, nicht die falschen Granaten zu laden.

Das ganze passierte zumindest bei den großen Geschützen per Handbetrieb.

Einer schob die Treibladung durch eine enge Röhre in den Geschützraum und ich beförderte die Granate per Aufzug nach oben.

Wobei ich darauf achtgeben musste, meine Finger im richtigen Moment wegzuziehen, sonst wären sie mit nach oben gerissen worden.

Das Ganze war aus Metall und scharfkantig wie eine Guillotine.

Also das Geschoss auf den rechten Unterarm, mit der Spitze Richtung Aufzug nach unten zeigend.

Dann langsam reingleiten lassen und sofort mit der rechten flachen Hand die Klappe schließen.

Ausführung per Funk an den Turmkommandanten melden, der dann den Feuerbefehl ausführte, nach Anweisung des zuständigen Brückenoffiziers.

Bei Übungsgranaten kein Problem, wenn sie dabei mal etwas härter aufsetzten, aber dies sollte möglichst nicht bei der Munition mit Sprengstoff geschehen.

Verständlich, wenn man bedenkt, dass sie einen Aufschlagzünder hatten, der während der Zeit, wo sie nicht genutzt wurden, extra mit einer Metallkappe abgedeckt war.

Der Rest meiner Mannschaft war zum Zureichen da bzw. zum Abwechseln beim Hochreichen der Kartuschen.

Bei aller Emsigkeit wurde sorgsam darauf geachtet, nicht im falschen Moment an der falschen Stelle zu stehen.

Denn wenn sich das Geschütz drehte, bewegte sich direkt vor unserer Nase die Munitionszuführung.

Durch den ganzen Lärm mussten meine Kommandos dann laut genug sein, dass alle es hören konnten, da ich die einzige Sprechfunkverbindung nach draußen hatte.

Bei jedem Schuss wurden wir außerdem bis auf die Knochen durchgerüttelt und ohne Ohrschützer wären wir wohl taub geworden.

Nach diesen 4 Tagen war ich froh, in den Hafen und das verdiente Wochenende zu kommen.

Die eigentlich recht kleinen Zimmer im Stützpunkt kamen mir nun sehr groß und behaglich vor.

Endlich ausreichend Platz, den Körper auszustrecken und nicht immer einen Bettrost direkt über sich zu haben.

Wie sollte es sich erst anfühlen, wenn wir 6 Wochen unterwegs sind und vor allem wie würde es sich auf die Moral/Stimmung der 250 Mann auswirken.

Bereits in den paar Tagen kam es ab und an zu kleineren Meinungsverschiedenheiten, die ich als zuständiger Unteroffizier vom Dienst handhaben musste.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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