Meine Marinezeit – 1. kleine Seefahrt

Endlich sollte es soweit sein, dass „mein“ Schiff die Werft verlassen und auf eine kurze Testfahrt gehen würde.

Neben der inzwischen vollzähligen Mannschaft von insgesamt 250 Mann waren noch die Ingenieure der Werft mit an Bord.

Bevor es losging, kam eine Einweisung in das allgemeine Verhalten auf dem Schiff.

Dies beinhaltete auch eine erste Übung für den Notfall, dass wir das Schiff verlassen müssen, was gleichwohl keiner hoffte.

Dann kam der spannendste Teil, die Motoren wurden angeworfen und die Leinen gelöst, sodass das Schiff langsam aus dem Hafen manövriert werden konnte.

Alle, die keinen Dienst hatten, durften an der Reling stehen und dabei zuschauen.

Am meisten hatten die seemännischen und technischen Bereiche zu tun.

Wir von der Division 4, dem Kaufmännischen und Versorgungsbereich, waren mehr oder weniger Zuschauer, die möglichst nicht im Weg herumzustehen hatten.

Außer natürlich die Köche, die ebenfalls zu „meiner“ Division gehörten.

Welche zum Teil das erste Mal auf sehr beengtem Raum, für fast 300 Menschen, ein Mittagessen zubereiten mussten.

Als Unteroffizier vom Dienst bestand eine meiner Aufgaben darin, die Essensausgabe der Mannschaften zu beaufsichtigen.

Eine große Herausforderung für mich, von diesem passiven Verwaltungsteil als Rechnungsführerhelfer, eine aktive Rolle zu übernehmen.

Da nicht alle Mannschaften gleichzeitig in den Speiseraum passten, musste nach jedem Durchgang aufgeräumt, gespült und alles für die Nächsten bereit gemacht werden.

Außerdem hatte ich für Ruhe und Ordnung unter Deck zu sorgen.

Denn leicht kam es zwischen den einzelnen Divisionen zu kleinen Streitigkeiten.

Vor allem, wenn jemand meinte, ein anderer hätte eine größere Portion als er selbst, oder sich bei der Ausgabe vorgedrängt.

Dabei traf es sich ganz gut, dass zumindest einige schon wussten, dass mit mir nicht zu spaßen ist.

Nicht gerade eine bequeme Tätigkeit, unter Deck, mit schwankendem Boden, den Essensgerüchen und einer Horde junger Seeleute, mit einem Benehmen zwischen Kindergarten und Gefängnis.

Aber nachdem ich ja nicht bloß hinterm Schreibtisch sitzen wollte, musste ich wohl oder übel damit zurechtkommen.

Die Bordverpflegung würde während meiner Zeit an Bord noch eine wichtige Rolle spielen, darüber jedoch später mehr.

Insgesamt ein sehr anstrengender Tag und wir waren alle froh, zum Abendessen in die Ruhe der Kaserne zurückzukommen.

Allerdings merkten wir schnell, dass es einige Zeit dauert, bis sich unser Gang wieder normalisierte und wir das Schwanken des Schiffes nicht mehr ausgleichen mussten.

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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