Meine Marinezeit – die erste Woche an Bord (Teil 2)

So gegen Mitternacht wurde ich plötzlich aus dem Schlaf gerissen.

Einige der älteren Unteroffiziere waren der Meinung, die Neuen nun gebührlich in die Sitten der Marinekameradschaft einzuweihen.

Da ich an einem Saufgelage kein Interesse hatte, wehrte ich die Einladung mit einer Handbewegung ab und drehte mich auf die andere Seite zum Weiterschlafen.

Wie ich später erfuhr, hatte der Obermaat aus der Wachtmeisterei die anderen bereits unerlaubterweise unterrichtet, dass in meiner Dienstakte vermerkt wäre „Mit Vorsicht zu behandeln“.

Ein kurzes „lasst ihn in Ruhe“ vom dienstältesten Obermaaten, hielt das restliche Überfallkommando ab, mich weiter zu belästigen.

Und so wendeten sie sich an meinen Zimmernachbarn und zogen ihm die Decke weg.

Was mein neues tragbares Radio mit Doppelkassettenteil, mit einigen technischen Neuerungen frisch von der Funkausstellung in Berlin ausgestattet, ins Schwanken brachte.

Vermutlich entlud sich hier die Spannung der vielen Missgeschicke wegen meiner Uniform.

Blitzschnell war ich aus dem Bett heraus und hing an dem Verursacher, einem kräftigen Heizermaat, der davon völlig überrascht wurde.

Nur mit größter Anstrengung und Hilfe mehrere Kameraden konnten sie mich davon abbringen, ihm mehr als nur ein blaues Auge und geprellte Rippen zu verpassen.

Dafür kassierte ich eine blutige Nase, allerdings erst, als ich von den anderen weggerissen wurde.

Allerdings nicht ein mit Absicht ausgeführter Faustschlag verursachte es, sondern mehr eine Schulterbewegung die mich abschütteln sollte.

Das Ganze wurde beendet mit der Anweisung „Gebt euch die Hand und vertragt euch“.

Danach war dann Ruhe für die Nacht und am Sonntag machten alle, die davon gehört hatten, einen noch größeren Bogen um mich.

Immerhin hatte ich dem „Bären aus dem Ruhrpott“ einige Blessuren verpasst, ohne selbst im Sanitätsbereich zu landen.

Im Laufe der Zeit wurden wir beide sogar gute Kameraden, die einiges gemeinsam beim Landgang im Ausland erlebten.

Der Vorteil dieser Auseinandersetzung war, dass ich am darauf folgenden Montag in den Vorzug kam, ein „fast“ Einzelzimmer zugewiesen zu bekommen.

Der dortige Zimmerkamerad, der in Kiel verheiratet war und deswegen zu Hause schlief, war selten als Unteroffizier vom Dienst im Sanitätsbereich eingeteilt.

Dadurch hatte ich zwar jeden Tag mehr beim Stubendienst zu tun, aber meine Ruhe.

Denn ohne meine ausdrückliche Einladung traute sich keiner, mein Zimmer zu betreten, wenn die Türe geschlossen war.

Dieses Recht verlangte ich nicht nur von Gleichrangigen, sondern ebenso von Bootsmännern und Offizieren.

Wer ohne Anklopfen mein Zimmer unaufgefordert betrat, tat es auf eigenes Risiko.

zum 1. Teil

Weitere Erinnerungen aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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