Meine Marinezeit – das Chaos lichtet sich

Nach einer unruhigen Nacht in meiner Notunterkunft, wo alles, auf dem Flur ablaufende, deutlich zu hören war, kam ich dennoch gut in den neuen Tag.

Ungeduldig zu erfahren, was dieser Tag für mich bringen wird, wartete ich in der Wachstube, bis es Divisionsweise endlich zu den Landungsbooten losging.

Auf der Arcona, dem Wohn- und Verpflegungsschiff, das dem Zerstörer Z2 während der Werftliegezeit zugewiesen war, suchte ich mir dann in der Mannschaftskantine einen ruhigen Platz zum Frühstücken.

Neugierig von den anderen Mannschaftsdienstgraden beobachtet, da keiner mich seiner Division zuordnen konnte.

Mein Tätigkeitsabzeichen zeigte, dass ich ein 61er war, saß dennoch nicht an der Back bei den anderen 61ern.

Und diese machten auch keine Anstalten mich zu sich einzuladen, eine sonst mit Frischlingen übliche Vorgehensweise.

Für mich keine angenehme Situation gehörte ich ja eigentlich nicht in diesen Essensbereich.

Aber in meiner Mannschaftsuniform sah ich keine Chance, in der Unteroffiziersmesse geduldet zu werden.

Dies machte mir die erste Begegnung an der Hauptwache klar.

Anschließend machte ich mich auf den Weg, endlich meinen direkten Vorgesetzten und den Arbeitsplatz kennenzulernen.

Zum Glück hatte man in der Rechnungsführerei bereits von meiner misslichen Lage Kenntnis und ich bekam innerhalb kurzer Zeit die zu meiner Dienststellung passende Uniform.

Mit dieser lief ich dann meinem Vorgänger hinterher, um den normalen Arbeitsablauf kennenzulernen.

Bis zum Mittagessen war ich soweit dann endlich mit meinem Kommando zufrieden und fühlte mich angekommen.

Noch nicht an die übliche Messeroutine gewohnt wollte ich mit meinem Essenstablett gleich Platz nehmen.

Wobei mir allerdings ziemlich unsanft von den anderen wartenden Unteroffizieren klargemacht wurde, wie das an Bord abläuft.

Als einer der Neuen hatte ich zu warten, bis die Älteren gegessen hätten.

Außerdem könnte ich nicht einfach einen freien Platz belegen, sondern dürfe nur an dem unteren langen Tisch mich hinsetzen.

Eine vollkommen neue Erfahrung für mich, was sich in den nächsten Tagen noch öfters zeigen sollte.

Es herrschte auf diesem Schiff mitunter ein rauer Tonfall.

Was seine guten Gründe hatte, wie ich in einer späteren Lebenserinnerung deutlicher ausführen werde.

Wie üblich schaute ich mir dies erst einmal aus der Distanz an und ging möglichst jedem Ärger aus dem Weg.

Ließ mir jedoch nicht alles gefallen, sodass jeder gleich wusste, bei mir Vorsicht walten zu lassen.

Später bekam ich zufällig mit, dass sowohl mein fachliches Können und ebenfalls meine manchmal eigenwillige Art vom Wachmeistersmaat ausgeplaudert wurde.

Am Abend bekam ich dann endlich ein Zimmer mit einem anderen jungen Maaten, aus einer anderen Division, zugewiesen.

Dieser war fast immer mit seinen Kameraden zusammen auf ihren Zimmern, in der Kantine oder Gemeinschaftsraum und tauchte bloß zum Schlafen auf.

Also hatte ich abends meistens meine Ruhe, ganz in meinem Sinne, musste ich erstmal mit der neuen Umgebung klarkommen.

Weitere Erinnerungen: aus meiner Marinezeit:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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