Meine Jugend – Marine – Feldabschlussübung Teil 3

Sehr früh am nächsten Morgen, ich ließ mich 30 Minuten vorher von dem wacheschiebenden Kameraden wecken, bereitete ich für meine Gruppe frisch gebrühten Instantkaffee vor.

Wenn wir schon um 6 Uhr fertig bepackt am Sammelplatz sein müssen, sollten wir zumindest etwas Warmes im Magen haben.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass alle unsere Aktionen untereinander sehr genau von den örtlichen Prüfern beobachtet wurden.

Sie gehörten quasi mit zur Prüfung und waren ein Teil der Beurteilung für die gesamte Ausbildungsgruppe bzw. die Qualität der Ausbilder.

Keine Ahnung wieso oder wodurch erkoren mich die anderen unserer kleinen Gemeinschaft bereits am ersten Tag zu ihrem Gruppenführer.

Ich war weder der älteste noch Dienstgrad höchste oder hatte Erfahrung in der Truppe gesammelt und hatte dies ebenfalls nicht forciert.

Bei der heutigen Übung durften immer nur zwei Gruppen gleichzeitig starten, der Rest musste sich in Geduld üben, bis er an die Reihe kam.

Im ersten Teil ging es darum, mit Landkarte einen bestimmten Punkt zu erreichen, für weitere Anweisungen.

Auf dem Weg dorthin sollten wir jeden Feindkontakt vermeiden, aber alles auffällig oder nach unserer Meinung nicht dort hin gehörende schriftlich festhalten.

Unterwegs wurden wir einmal von einem Maschinengewehrnest entdeckt, das uns unter heftigen Beschuss nahm.

Auch wenn es nur Übungsmunition war, so saß uns der Schrecken voll in den Gliedern beim Weiterrobben.

Von dort ging es dann im bebauten Gelände durch Hausruinen und zum Schluss durch eine stillgelegte Abwasserröhre.

Ohne die Anfeuerungen durch unsere Ausbilder wären wir am Schluss kaum noch in der Lage gewesen, aus dem Abwasserkanal hochzuklettern.

Mein einziger Gedanke in diesem Moment war „nur kurz liegenbleiben und ausruhen“, wovon jedoch der Antreiber oben nichts wissen wollte.

Er hatte ja keine Ahnung von den letzten Minuten in dieser engen Röhre.

Der vor mir Kriechende wollte unbedingt zurück und ich dadurch andauernd seine Stiefel kurz vor meinem Gesicht fühlte.

Denn von großartig sehen konnte man nicht sprechen.

Wenigstens blieben wir auch an diesem Tag von Regen und Schnee verschont.

Zu gerne hätten wir, nachdem diese Strapazen hinter uns lagen und wir frische Luft atmen konnten, was Heißes, Stärkendes getrunken.

Jedoch scheiterten die Versuche, einen Esbitkocher anzuzünden, an unseren klammen zittrigen Fingern.

Und so begnügten wir uns mit ein paar Schluck Wasser aus der Feldflasche und einem Energieriegel aus der Notration.

Bis zum abendlichen Appell hatten wir dann Zeit, den Schlafplatz herzurichten und die Ausrüstung wieder in Ordnung zu bringen.

Vom restlichen Abend bekam kaum einer etwas mit, denn die Gedanken drehten sich bloß noch ums Ausruhen und vor allem ums Schlafen.

So war es kein Wunder, dass alle mit einer heißen Gemüsebrühe und einer Scheibe Kommissbrot zufrieden waren.

Wie ich meine Nachtwache hinter mich brachte, ist mir bis heute ein Rätsel und ich ziehe sogar in Erwägung, dazwischen eingedöst zu sein.

Wenn dem so war, dann schien es zu meinem Glück nicht aufgefallen zu sein, denn die Standpauke hätte ich sicher nicht überhört.

Weitere Jugenderinnerungen:
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