Meine Jugend – Marine – Ärger mit dem Kantinenwirt

Sehr bald hatte sich die Ausbildungseinheit, wie bereits in der Grundausbildung, zu einem verschworenen Haufen zusammengerauft.

Jeder wusste, wie er mit den anderen am besten zurechtkam.

Was er sich gegenüber den Kameraden und Vorgesetzten erlauben konnte.

An einem Wochenende riss mich der Geruch nach Bratkartoffeln aus meinem Nachmittagsschlaf.

Nachdem ich festgestellt hatte, dass ich ihn nicht geträumt hatte, ging ich den Flur entlang, einfach meiner Nase nach.

Zu meinem Erstaunen stieß ich auf eine Gruppe Kameraden mit ihrem Feldgeschirr in der Hand und auf einen weiteren, der mit zwei Pfannen auf einem Campingkocher hantierte.

Beim Näher kommen sah ich, dass hier, mitten auf dem Flur, Bratkartoffel und Steaks gebraten wurden, deren Anblick mir das Wasser im Mund zusammenlaufen lief.

Natürlich war sofort mein Interesse geweckt, an diesem köstlichen Schmaus teilhaben zu können.

Während wir so zusammensaßen und uns dieses Mahl munden ließen, kamen mir einige Ideen, wie man es noch weiter verbessern könne.

Unter anderem wurde beim nächsten Mal zum Steak eine große Portion Zwiebeln und Champignons gereicht.

Dadurch konnte ich an den darauf folgenden Samstagen alle Beteiligten von meinen Kochkünsten überzeugen und rasch als neuer Küchenmeister auserkoren.

Ich brauchte nur zu sagen, was ich benötigte und ein altgedienter Obergefreiter, der zufällig auf dem gleichen Schiff gefahren war, welches meine nächste Dienststelle sein würde, besorgte es.

Allerdings fragte ich nicht, wie oder woher die Zutaten kamen.

Eine gern angenommene Alternative zu der sonst üblichen Brotmahlzeit, die mangels geöffneter Essensausgabe am Abend, beim Mittagessen mit ausgegeben wurde.

Leider bemerkte der Kantinenwirt rasch, dass sein Umsatz samstags plötzlich deutlich zurückging.

Daraufhin umhörte er sich um und stieß wohl auf einen Kameraden, der seinen Mund nicht halten konnte.

So waren wir eines Tages wieder wie gewohnt beim Brutzeln, als der wachhabende Offizier, mit Verstärkung von der Hauptwache, auftauchte.

Er forderte uns auf, die Tätigkeit sofort einzustellen, da Kochen auf den Stuben verboten sei.

Die Tatsache, dass wir unsere Tätigkeit auf dem Flur verrichteten, noch dazu direkt vor dem Feuerlöscher, bewahrte uns allerdings vor einer Disziplinarstrafe.

Eine kleine mündliche Verwarnung erhielten wir dennoch vom Lehrgruppenkommandeur.

Jedoch mit einem zwinkernden Auge, wegen der „korrigierten“ Auslegung der Gebäudeordnung.

Diese wurde dann auch gleich in den nächsten Tagen insofern geändert, dass in allen Gebäuden der Schule bzw. Kaserne offenes Feuer und Kochen verboten ist.

Für mich eine Erfahrung, die mir während der nächsten Jahre sehr behilflich sein sollte.

Nicht jede Dienstvorschrift ist eindeutig, sondern viel mehr eine reine Auslegungssache und man benötigt lediglich die richtige Begründung, um eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten.

Zum Leidwesen des Kantinenwirts bekamen wir die Erlaubnis, in den Sommermonaten unsere Steaks am in der Nähe gelegenen Grillplatz, der zur Kaserne gehörte, zu braten.

Sein Angebot, meine Kochkünste an diesem Tag gegen gute Bezahlung in seine Küche zu verlegen, lehnte ich dankend ab.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

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