Meine Jugend – Marine – Grundausbildung – Nachtmarsch

Im Großen und Ganzen hatte ich mir die Grundausbildung schwieriger vorgestellt.

Je näher deren Ende heranrückte, um so gespannter wartete ich auf große Herausforderungen.

Eine davon sollte ich beim letzten Nachtmarsch über 20 km, mit vollem Kampfgepäck erleben dürfen, die mich an die Grenzen meiner körperlichen Belastbarkeit brachte.

Dieses Mal bat mich mein Nachbar, seinen Platz in der Kolonne mit ihm zu tauschen.

Bereits nach den ersten Metern erklärte es sich für mich von alleine.

Sein Hintermann hatte große Probleme, den Gleichschritt zu halten und trat mir alle paar Schritte kräftig in die Hacken.

Trotz dicker Stiefel merkte ich nach einer gewissen Zeit, dass sich da etwas Ungutes an meinen Fersen tat.

Nicht bloß die dicken Strümpfe fingen dadurch an zu rutschen, sondern es wurde feucht und fühlte sich wie kleine Reißnägel an.

Der Versuch die Strümpfe wieder in die richtige Position zu ziehen klappte nicht und hätte fast die ganze Marschkolone aus dem Tritt gebracht.

Also verschaffte ich ihm Marscherleichterung nach Rücksprache mit dem Zugführer.

Er durfte seinen Stahlhelm absetzen, sein Gewehr trug ein Kamerad und ich packte seinen Rucksack zu meinem obenauf.

Dennoch musste er ein paar Kilometer vor der Kaserne den Marsch abbrechen und sich vom Sanitätsauto zurückfahren lassen.

Für mich war dies keine Option, trotz des Gefühls, in Wasser mit Brenneseln zu waten.

Die paar Kilometer würde ich noch packen, sagte ich mir und am darauffolgenden Wochenende wäre genug Zeit, die Füße auszuruhen.

In der Kaserne angelangt wurden zuerst die aussortiert, die Fußprobleme hatten und zum Sanitätsbereich geschickt.

Das kam für mich nicht infrage, zumindest dachte ich es, bis ich auf der Stube versuchte, meine Stiefel auszuziehen.

Doch nach mehrfachen Versuchen, auch mit Hilfe von Kameraden, klappte dies nicht.

Sie saßen fest wie angeschweißt oder besser ausgedrückt wie in Beton gegossen.

Dadurch weckten wir die Aufmerksamkeit eines der Ausbilder und dieser forderte, nach einem kurzen Blick auf das Desaster, mich sofort auf, den Arzt im Sanitätsbereich aufzusuchen.

Dort wurden mir dann die Stiefel von den Füßen geschnitten und festgestellt, dass an beiden Fersen die Haut nur noch in blutigen Fetzen herunter hing.

Um eine Vereiterung oder Blutvergiftung zu vermeiden, sollte ich übers Wochenende stationär aufgenommen werden, worüber ich alles andere als erfreut war.

Als ich mich am Montag teildienstfähig melden wollte, wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es zu einer unehrenhaften Entlassung kommen kann, sollte ich eine dauerhafte Beeinträchtigung meiner Dienstfähigkeit damit selbst verschulden.

Das war mir dann also doch zu riskant und so akzeptierte ich es vom Militärdienst befreit, mit Badelatschen durch das Kasernengelände zu schlurfen, bis alles wirklich verheilt war.

Für diese über dem üblichen Maße gezeigte Kameradschaft und Einsatzwillen bei Nachtmärschen bekam ich eine förmliche Anerkennung mit drei Tagen Sonderurlaub.

Dass dies allerdings vor der gesamten Ausbildungseinheit verlesen und überreicht wurde, empfand ich als sehr unangenehm.

Sodass ich mit zittrigen Knien, roten Ohren und schweißnassen Händen dastand, als mir der Lehrgruppenkommandeur das Schriftstück aushändigte.

Weitere Jugenderinnerungen:

Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Marine

2 Antworten zu “Meine Jugend – Marine – Grundausbildung – Nachtmarsch

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