Meine Jugend – Unterwegs zur Marine

Nachdem es mit dem Kauf eines vernünftigen Autos nicht geklappt hatte, war es mir ganz recht, dass im Schreiben der Marineversorgungsschule empfohlen wurde, mit der Bahn zur Grundausbildung anzureisen.

Ein Schein für eine kostenlose Bahnfahrkarte lag ebenfalls dabei.

Wie bei meinem ersten Besuch in Wilhelmshaven, ließ ich mir mehrere alternative Züge am Bahnhof heraussuchen.

Wollte ich auf keinen Fall ein Zuspätkommen, wegen eines verpassten Umsteigezeitpunkts, riskieren.

Am entsprechenden Tag machte ich mich sehr früh auf den Weg nach List auf der Insel Sylt.

Unterwegs stellte ich fest, dass ich nicht der einzige im Zug war, mit diesem Ziel.

Manche saßen da wie verschreckte Kinder, die das erste Mal alleine ins Ferienlager fuhren.

Andere versuchten ihre Nervosität, durch lautes Herumalbern, zu kaschieren.

Ganz wohl fühlte ich mich zwar auch nicht, aber es überwog doch die Vorfreude auf das bevorstehende Neue.

So genoss ich die Zeit, beschaute mir die vorbeiziehende, zum Teil, ungewohnte Umgebung und meine Mitgenommenen belegte Brote, sowie den Tee aus der Thermoskanne.

Nach knappen 600 km über 12 Stunden und fünfmal umsteigen, kamen wir am frühen Abend in Westerland an.

Wie schon beim Eignungstest wurden wir gleich am Zug von bereitstehenden Soldaten in Empfang genommen und mehr oder weniger höflich zu den Bussen dirigiert.

Damit wir uns nicht wie in der Sommerfrische fühlen (Originalton des Unteroffiziers), bekam jeder ein Bündel Papiere in die Hand gedrückt, mit der Aufforderung: „lesen und am besten auswendig lernen, bis morgen früh“.

Da die Essensausgabe bereits geschlossen war, lag für jeden auf der zugewiesenen Stube ein Abendbrotpäckchen.

Und so saßen wir zu acht, mit den Broten in den Händen, am einzigen Tisch der Stube und lasen die uns ausgehändigten Papiere.

Anders als in Wilhelmshaven wurden von Beginn an dem Stubenältesten seine Aufgaben zugeteilt.

Keine Bitte oder Empfehlung, sondern ein Befehl, wobei dieses Wort ebenso oft in den auswendig zu lernenden Unterlagen vorkam.

Kaum Zeit, um sich näher kennenzulernen, erscholl pünktlich 21:45 Uhr ein lauter Ruf vom Flur „Fertigmachen zur Nachtruhe“.

Dies bedeutete, wie wir aus den Unterlagen wussten, ausziehen und bereit machen, um in die zugewiesene Koje (Doppelstockbetten) zu verschwinden.

Wer danach noch ohne dringende Notwendigkeit auf dem Flur, der Gemeinschaftsdusche oder Toilette erwischt wurde, hatte mit Disziplinarmaßnahmen zu rechnen.

Dass dies nicht bloß eine leere Drohung war, merkten einige gleich am nächsten Tag.

Nach der Anweisung „Licht aus“ hatte absolute Ruhe auf der Stube zu herrschen.

Die meisten hatten eine ebenso lange Fahrt hinter sich und waren froh, ins Bett zu kommen, da es am nächsten Morgen um 6:00 Uhr wieder aufstehen hieß.

Der Tagesdienstplan enthielt viele Informationen, jedoch kam das Wort „Pause“ nicht vor.

Von 6:00 Uhr aufstehen bis 22:00 Uhr Nachtruhe war alles in 15 – 30 Minuten Einheiten genau festgelegt.

Es gab jede Menge neuer Begriffe und Ausdrücke zu lernen.

Außerdem wich der allgemeine Umgangston ebenso deutlich von dem bisher gewohnten ab.

Was ich allerdings bereits aus dem raueren Ton im Boxverein kannte.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen –Marine

Eine Antwort zu “Meine Jugend – Unterwegs zur Marine

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