Meine Jugend – Einstellungstests bei der Marine

Schon der Empfang am Bahnhof sollte mir und einigen anderen Gleichgesinnten wohl zeigen, wie es zukünftig weitergehen würde.

Denn ein uniformierter Mann lief laut schreiend durch die Gegend und trieb uns, wie eine Herde Schafe, zu dem vor dem Gebäude stehenden Bus.

In diesem Ton ging es für die nächsten Tage der Einstellungstests weiter, wobei ich hoffte, dass sich dies spätestens nach der Grundausbildung ändern würde.

Mit der Zuweisung unserer Schlaf- und Gemeinschaftsräume, bekamen wir ebenso einen genauen Terminplan mit dem Hinweis, pünktlich in der vorgeschriebenen Bekleidung, vor dem Kasernengebäude anzutreten.

Jeder Verstoß gäbe Minuspunkte, die bei der Schlussbewertung zum Tragen kämen.

Es blieb uns allerdings unbenommen, uns jederzeit beim diensthabenden Offizier abzumelden, um die Kaserne verlassen.

Was einige auch taten, wie an immer wieder leeren Essplätzen zu Mittag oder leeren Betten am Abend zu sehen war.

Ich hatte keinerlei Probleme, mich den vorgegebenen Strukturen anzupassen.

Machte jedoch allen gleich zu Anbeginn deutlich, dass ich kein hirnloser Mitläufer war, sondern meinen eigenen Kopf ein- und durchzusetzen wusste.

So war es ebenfalls wenig verwunderlich, dass ich, obwohl der Jüngste, von den Zimmerkameraden zum Stubenältesten gewählt wurde und damit die Verantwortung für die Ordnung innerhalb der Gruppe trug.

Für mich waren weder die schriftlichen noch die körperlichen Tests ein Problem.

Trotz meiner Brille und meinem etwas zu empfindlichen Gehör, wurde mir eine 100%ige Tauglichkeit, mit Ausschluss der Augen, für fast alle Bereiche bestätigt.

Am letzten Tag waren dann die psychologischen Tests und Gespräche an der Reihe, die für mich die größte Herausforderung darstellten.

Die Ergebnisse bekam ich erst zufällig Jahre später als Vertretung des Schiffswachtmeisters, zu Gesicht.

Leider konnte ich wegen meines Hauptschulabschlusses und meiner Jugend lediglich als Matrose anfangen.

Wogegen meine Testergebnisse mindestens für einen Unteroffiziersanwärter ausgereicht hätten.

Ungeachtet dieser kleinen unschönen Entwicklung unterschrieb ich für vier Jahre als Zeitsoldat.

Eine entsprechende Erlaubnis, mit amtlich beglaubigter Unterschrift meiner Eltern, hatte ich als damals Minderjähriger vorsorglich bereits mitgebracht.

Mit der fachlichen Weiterbildung in dieser Zeit konnte ich anschließend ein Seefahrtbuch beantragen, oder meinen praktischen Betriebswirt machen.

Außerdem bekäme ich für 6 Monate einen Ausbildungszuschuss (bis zu 90% des letzten Gehaltes) und nach Beendigung der vier Jahre eine schöne Abfindungssumme.

Also ergab das Ganze eine Verbindung zwischen Abenteuer, Vorbereitung aufs weitere Leben und Erweiterung meiner Möglichkeiten.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen –Marine

2 Antworten zu “Meine Jugend – Einstellungstests bei der Marine

  1. Wo bist Du zur See gefahren? Vielleicht auf der Ostsee, auf dem Tender Werra?

    Gefällt 1 Person

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