Meine Jugend – unruhige Samstage Teil 1

An manchen Samstagabenden hatte ich das Bedürfnis, aus der Enge meines Zimmers und der Wohnung zu kommen.

Damit sich meine Mutter keine Sorge machte, hatte ich schon zur Schulzeit eine Uhr gebastelt, auf der ich mit einem Zeiger einstellen konnte, wo ich war, bzw. was ich machte.

Zum Beispiel stand dort „Bin mal eine Runde an der frischen Luft“, was bedeutete, mir geht es so weit gut, muss nur mal durchatmen.

Oder „Bin mal weg“ und dann wusste meine Mutter, dass es besser ist, nicht nachzufragen, wo ich gewesen bin, wenn ich zurück kam.

Normalerweise reichte es, eine Runde um den Wohnblock zu drehen und die mir begegnenden Menschen zu beobachten.

In Gedanken versuchte ich herauszufinden, was wohl in den einzelnen Vorbeiziehenden vorging.

Gelegentlich setzte ich mich zu den älteren Menschen, die am Brunnen oder der Brücke auf den Bänken saßen und hörte zu, über was sie sprachen.

Als ein guter Zuhörer war ich dort gerne gesehen und für manche zum Teil ein Ersatz für eigene Enkelkinder.

Hatte ich immer noch nicht meine Ruhe gefunden, stieg ich den Stadtberg hinauf, um dort über die Stadt und die Weinberge ins Tal zu schauen.

Mit meinen Gedanken ging es dabei in der Regel in die weite Welt, so wie ich sie mir aus Erzählungen, Büchern und dem Fernsehen vorstellte.

Meistens folgte danach der Besuch in einem meiner Stammlokale, um am Stammtisch oder Tresen, bei den damals üblichen Kneipenspielchen wie Knobeln mit Streichhölzern oder Gaggeln (ein Würfelspiel ähnlich wie Chicago) mit zu machen.

Von den Glücksspielautomaten hielt ich mich, aufgrund meiner schlechten Erfahrungen mit der Polizei, nach wie vor weitgehendst fern.

Manchmal allerdings ging es auch anders zu, wenn ich, wie mein Vater dazu sagte „auf Krawall gebürstet“ war.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

 

4 Antworten zu “Meine Jugend – unruhige Samstage Teil 1

  1. Mensch, wie habe ich in der Lehrzeit auf das ersehnte Wochenzeitung hingearbeitet. Donnerstag, Feierabend, nur noch Freitag, dann Schicht im Karton!

    Und wie intensiv man sich Freuen konnte!

    Jugendzeit… schöne Zeit….

    Gefällt 1 Person

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