Meine Jugend – Lehrzeit – Termin beim Chef

Zurück von meiner Runde wartete ich gespannt auf die Reaktion des Personalchefs, denn ich war mir sicher, dass er zwischenzeitlich über den Vorfall informiert wurde.

Die sofort erfolgte, als ich mich an meinem Arbeitsplatz niederließ.

Mit den Worten: “Da hast du dir ja etwas geleistet. Bisher musste noch kein Lehrling zum Rapport beim Chef antreten” wurde ich von ihm empfangen.

Was mich nicht unbedingt beruhigte und meine Gedanken mit den möglichen Konsequenzen beschäftigte.

Bis es endlich soweit war, schlich die Zeit im Schneckentempo dahin und keine sonst noch so interessante Arbeit konnte mich ablenken.

Kurz vor der Zeit war ich dann, übers allgemeine Sekretariat, im Vorzimmer des Chefs vorstellig geworden.

Dort wurde ich von seiner persönlichen Assistentin, die gleichzeitig Prokuristin war, erst einmal auf Warteposition gestellt.

So konnte ich in aller Ruhe die massige, übergroße und mit Leder ausgepolsterte Türe bewundern, die zum Büro des Firmeninhabers führte.

Nachdem ein kurzes Summen ertönte, scheinbar ein Zeichen, dass ich nun erwartet würde, durfte ich, mit dem Hinweis, bei der Türe kräftig zu ziehen, ins Chefzimmer eintreten.

Obwohl ich nicht gerade ein Schwächling war, hatte ich Mühe, ohne dabei komisch zu wirken, mir den Durchgang zu erkämpfen.

Selbst der riesige Schreibtisch, eine geräumige Besprechungsecke und ein langer Besprechungstisch konnten den Raum nicht überladen aussehen lassen.

Aber vom Chef war weit und breit nichts zu sehen.

Erst als ich seine Stimme aus einer offenen Türe hörte, die sich in dem, die ganze Wand ausfüllenden Schrank befand und mich aufforderte Platz zu nehmen, erwachte ich aus meiner starre.

Unsicher blieb ich jedoch weiter vorm Schreibtisch stehen.

Meine Überraschung war groß, als dieser furchteinflößende, aufbrausende Mensch von heute Morgen gleich darauf freundlich lächelnd auf mich zukam.

Er schüttelte mir kräftig die Hand und forderte mich auf mit ihm zur Besprechungsecke zu gehen.

Wo Kaffee, Wasser und Softgetränke bereitgestellt waren, die er mir für ein zwangloses Gespräch anbot.

Genauso wenig traute ich meinen Ohren, als ich zu hören bekam, dass er Erkundigungen in den von mir durchlaufenen Abteilungen eingeholt habe.

Diese haben ihn überzeugt, mir eine Übernahme als Angestellter, nach meiner Lehrzeit anzubieten.

Außerdem könne ich mir monatlich in seinem Vorzimmer einen Bonus als Anerkennung meiner guten Arbeitsleistung abholen.

Diese Vereinbarung, die ich jedoch für mich behalten solle, hatte er bereits schriftlich fixiert und sie mir zum gegenzeichnen hingelegt, was ich nur zu gerne machte.

Denn es war absolut nicht üblich, automatisch nach der Lehrzeit übernommen zu werden, und ich hatte gerade mal etwas mehr als die Hälfte hinter mir.

Mit den Worten, jederzeit ein offenes Ohr für externe Weiterbildungswünsche in Form von Seminaren oder Bücher zu haben, verabschiedete er mich, welches unschwer daran zu erkennen war, dass er aufstand und mir die Hand entgegenstreckte.

Beim Verlassen des Raumes hatte ich das Gefühl leicht über dem Boden zu schweben und musste aufpassen, nicht mit dem Kopf am Türrahmen anzustoßen.

Plötzlich empfand ich sogar das Öffnen der Bürotüre nicht mehr schwer.

Natürlich habe ich diese angebotenen Vorzüge nicht für mich ausgenutzt, sondern meine Arbeit, weiterhin genauso sorgfältig und gewissenhaft wie bisher ausgeführt.

Jedoch das Wissen, dass meine Leistungen von den richtigen Stellen anerkannt und gewürdigt wurden, half mir enorm, mein Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu stärken.

Weitere Jugenderinnerungen:
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2 Antworten zu “Meine Jugend – Lehrzeit – Termin beim Chef

  1. Wie mulmig dir war in Erwartung dieses Gesprächs kann ich dir sehr gut nachfühlen! Was für ein großartiger Ausgang, da kann man deinen damaligen Chef nur loben für seinen Umgang mit dem Personal, alle Achtung! Und daß du raus geschwebt bist, ist sehr verständlich, lach!
    War richtig spannend, deine Erzählung über diesen Vorfall während deiner Lehrzeit, lieben Dank und liebe Grüße
    Monika und Mimi.

    Gefällt 1 Person

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