Meine Jugend – Die Band – Teil 3 (die erste Probe)

Nun war es endlich soweit und mein Musiklehrer holte mich von Zuhause ab.

Ich war noch immer sicher, dass er zu viel von mir erwartete.

Das Treffen fand in einem Tanzsaal der örtlichen Gaststätte statt, da der Hammond-Orgelspieler der Sohn des Gastwirtes war.

Als wir ankamen, waren bereits alle anwesend.

Ebenso der Sponsor, der gleichzeitig Leiter des örtlichen Gesangsvereins war, wie ich später erfahren sollte.

Es dauerte kaum eine halbe Stunde, um zu meinem Entsetzen herauszufinden, dass es sich hier um einen Haufen Chaoten handelte.

Außerdem fand ich, dass wir für eine durchschnittliche Tanzmusikband zu viele waren.

Denn alle, mir zu der Zeit bekannten, bestanden inklusive Sänger bzw. Sängerin aus maximal 5 Personen.

Von den drei Gitarristen konnte einer Noten lesen und die beiden anderen hatten sich, durchs Anhören von Schallplatten, ein paar Griffe selbst beigebracht.

Der Schlagzeuger war bisher Trommler in der Musikgruppe der freiwilligen Feuerwehr, wo er nach genauen Anweisungen des Kapellmeisters spielte und nun trommelte er einfach, nach Gefühl, drauf los.

Zum Glück sah er ein, das er daran etwas ändern müsse und war bereit, ein paar Unterrichtsstunden zu nehmen.

Es hörte sich für mich so an, als wenn jeder versuchte, nicht nur lauter zu sein, als der andere, sondern ebenfalls als erster mit dem Musikstück fertig zu werden.

Im Laufe des Abends gelange es allerdings meinem Musiklehrer ein paar Grundlagen zu erarbeiten.

Zumal er jedem auf seinem eigenen Instrument verdeutlichen konnte, wie es sich augenblicklich anhörte und wie es sich anhören sollte.

Einer der Gitarristen wurde zum Bassisten bestimmt, da er einen Elektrobass zu Hause hatte und diesen sofort herholen konnte.

Nach dieser knapp 2-stündigen Probe, die mir wie eine halbe Ewigkeit vorkam, machten wir uns wieder auf den Heimweg.

Der Zeitpunkt des nächsten Treffens sollte noch vereinbart werden.

Wobei ich ganz und gar nicht wusste, ob ich da mit dabei sein wollte.

Was ich gleich versuchte, meinem Musiklehrer klar zu machen.

Also fing ich mein Gespräch mit der Frage an, ob er es sich denn wirklich vorstellen konnte, dass mit diesen unerfahrenen Individualisten eine Band möglich gemacht werden könnte.

Wobei ich an meinem Tonfall klar erkennen ließ, dass ich es für unwahrscheinlich hielt.

Zu meiner Erleichterung sagte er jedoch, er würde durchaus ein Potenzial sehen und hätte keine Bedenken, dass ich es schaffe, diese Gruppe zu einer Einheit zu formen.

Ja er meinte sogar, dass es für mich mit meinem außerordentlich guten Gefühl für musikalische Harmonie ein leichtes sein müsste, ohne eigene Songs, ein gutes eigenständiges Klangbild mit der Band zu erreichen.

Außerdem versicherte er mir, dass er jederzeit und bei jedem Problem hilfreich zur Seite stehen werde.

Genauso würde er sich regelmäßig den Fortschritt per Tonband anhören und mir beim Zusammenstellen einer ersten Auswahl von Songs behilflich sein.

Die nächsten Tage schwankte ich zwischen Begeisterung und Zweifel.

Zum einen hoffte ich, dass es klappen würde, aber genauso wünschte ich mir, dass sich niemand mehr meldete.

Den Verdacht, dass sich der Sponsor auf Dauer die Stunden meines Musiklehrers, die natürlich nicht kostenlos waren, sparen wollte, wurde ich auch nicht los.

Allerdings steckte er mir, vor der Rückfahrt nach Hause, zwanzig DM zu, als kleine Entschädigung für meine Zeit, wie er meinte.

Ein unerwarteter, hart erarbeiteter, Zuverdienst.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Musik
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

4 Antworten zu “Meine Jugend – Die Band – Teil 3 (die erste Probe)

  1. Ich hätte Mäuschen sein wollen …

    Gefällt 1 Person

  2. Das war bestimmt ein Musik“genuß“ der Sonderklasse, lach, hätte ich ehrlich auch gerne Mäuschen bei gespielt!
    Wir wünschen dir einen guten Start in die neue Woche, liebe Grüße
    Monika und Mimi.

    Gefällt 1 Person

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