Meine Jugend – der erste Monat meiner Lehrzeit

Am Ende des ersten Monats hatte ich bereits meine eigenen kleinen täglichen Routineaufgaben, die ich selbstständig und regelmäßig fehlerfrei durchführte.

Daher begann es mich zu ärgern, dass die Sachbearbeiterin weiter der Meinung war, die Korrektheit jeder meiner Arbeiten genau prüfen zu müssen.

Also drehte ich den Spieß um und achtete ebenfalls auf Fehler ihrerseits, die sich sehr wohl fanden.

Bereits nach meinen ersten Hinweisen, die ich immer dezent als Fragen platzierte, verstand sie, worum es mir ging und reduzierte ihre Kontrolle auf ausschließlich neu gelerntes.

Sie begriffen, dass wenn ich unsicher war, sowieso von mir aus lieber einmal öfters nachfragte, als etwas leichtfertig zu machen.

Ich hasste von Anfang an die Ausrede mancher anderen, dass sie nur Lehrlinge wären und Fehler passieren könnten.

In den Pausen hatte ich die beiden Maschinenbuchhalter, den Assistenten des Abteilungsleiters und eine weitere Sachbearbeiterin näher kennengelernt.

Obwohl jeder seinen ganz speziellen Arbeitsbereich hatte, waren sie sowohl in der Lage, als auch bereit, einander zu vertreten, wenn einer durch Krankheit oder Urlaub ausfiel.

Wie ich bald herausfand, beschränkte sich dieser Teamgeist und diese Hilfsbereitschaft nicht nur auf die Buchhaltung, sondern zeichnete die gesamte Firma aus.

Für mich war und ist es noch heute „meine“ Firma, ähnlich wie eine erweiterte Familie.

Am letzten Tag dieses Monats allerdings wurde die übliche Ruhe dieser Abteilung jäh unterbrochen.

Es kamen Mitarbeiter anderer Abteilungen und holten sich Aktenmappen.

Und ebenso alle der Buchhaltungsmitarbeiter, die sich ansonsten mit anderem beschäftigten, waren konzentriert über Aktenstapel gebeugt.

Um anschließend mit der Schreibmaschine irgendwelche Schriftstücke zu fertigen.

Dabei gewann ich den Eindruck, dass jeder Versuchte schneller zu sein und sich somit ein Wettbewerb entspann, wer am Abend die meisten Briefe geschrieben hatte.

Während ich eine, für mich langweilige, Routinearbeit bekam, beobachtete ich genau, was sich bei den andern abspielte.

Es dauerte nicht lange, bis ich mitbekam, dass es sich hier um eine Mahnaktion handelte, bei der ich, wie sollte es anders sein, natürlich auf der Stelle mitarbeiten wollte.

Nur ungern, aber immerhin doch nach einigem quengeln meinerseits, war die Sachbearbeiterin einverstanden.

Ich erhielt eine Aktenmappe mit einer Handvoll gelber Rechnungskopien sowie den nötigen Erklärungen, wie ich damit zu verfahren habe.

Da ich sofort verstand, worum es ging, sowie gut und schnell tippen konnte, gelang es mir einmal mehr, die mich betreuende Person von meiner raschen Auffassungsgabe und Fertigkeiten, zu überzeugen.

Bei dieser Arbeit war ich jedoch froh, dass diese gründlich nachgeprüft wurde.

Immerhin gingen die Briefe an die Kunden und es peinlich gewesen wäre, eine bereits gezahlte Rechnung anzumahnen.

Als Schlusssatz stand zwar immer darunter „Sollte sich ihre Zahlung mit diesem Schreiben überkreuzen, bitten wir sie, dieses zu entschuldigen“.

Einer der Sätze, die ich über mein komplettes Arbeitsleben, schon fast als Standard benutzt, nach dem Motto „Lieber einmal zuviel entschuldigen, als einen Kunden verärgern“.

Weitere Jugenderinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend – Schule/Ausbildung
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Berufsleben

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