Meine Kindheit – Unterwegs mit meinem Onkel

Ich hatte schon immer interessiert zugehört, wenn mein Onkel Reinhold, ein Bruder meiner Mutter, davon erzählte, was er alles erlebte, während er mit dem LKW durch Europa unterwegs war.

Um so mehr freute ich mich, als es sich in einem Winterurlaub ergab, dass ich auf eine Tour mitfahren durfte.

Es ging am Sonntag kurz nach 22 Uhr los, denn er musste am nächsten Morgen in Baden-Baden mit dem Kühltransporter in einem Hotel die Ladung abliefern.

Leider hatte es am Nachmittag bereits angefangen zu schneien, sodass die Fahrt wenig ereignisreich verlief.

Außerdem fiel nach kurzer Zeit die Heizung aus, nicht gerade angenehm bei unter Null Grad Celsius.

Dick eingemummelt in die Schlafdecken hing ich auf dem Beifahrersitz, denn verschlafen wollte ich die Fahrt in der hinter dem Fahrer vorhandene Schlafkoje auf keinen Fall.

Meinem Onkel machte diese Kälte scheinbar nichts aus.

Er saß hinter seinem Steuer, wie ein riesiger Bär, der auch ohne Probleme mit einem Hundeschlitten durch Alaska gefahren wäre.

Über die Autobahn verlief alles ruhig, nur der Halt auf einer Raststätte mit einer kleinen Zwischenmahlzeit war eine Abwechslung.

Allerdings in den engen Gassen zum Abladeplatz dachte ich ein paar Mal, dass wir mit dem langen Laster da nicht durchpassen.

Aber bis auf ein paar kleinere Rangierarbeiten schaffte er es immer wieder das Fahrzeug fast Millimetergenau durchzumanövrieren.

Wir waren so früh dort, genug Zeit für ein Schläfchen von knappen zwei Stunden, dass erst durch Klopfen an der Fahrertüre gestört wurde.

Beim Ausladen, was per Hand erfolgte, durfte ich kräftig mithelfen, was die Müdigkeit und die Kälte rasch vertrieb.

Zum Glück waren die einzelnen Einheiten leicht genug, dass ich sie die paar Schritte bis zum Rollband tragen konnte.

Allerdings zum Ende wurden mir meine Arme mit jedem Stück länger.

Dafür wurde ich anschließend mit einem kräftigen Frühstück von der Köchin des Hotels verwöhnt.

Dann ging es erst einmal in ein nahe gelegenes Dampfbad, um die Kälte der Nacht aus den Knochen zu bekommen.

Ohne dies hätte ich wahrscheinlich die nächsten Tage mit einer starken Erkältung auf der Nase gelegen.

Bisher hatte ich so einen Dampf nur in der Waschküche meiner Oma erlebt, wenn sie Kochwäsche hatte.

Bevor es zurück Richtung Heimat ging, schaute mein Onkel beim örtlichen DB-Frachtagenten vorbei, ob es eine Ladung für die Rückfahrt gibt.

Ich war recht froh, dass diesmal Paletten per Gabelstapler verladen wurden, wobei ich interessiert zuschaute.

Die Rückfahrt verlief ohne Zwischenfälle, zumindest habe ich kaum etwas davon mitbekommen.

Immer wieder fielen mir die Augen zu, sosehr ich mich auch bemühte wach zu bleiben.

Vom Entladen bekam ich ebenfalls nichts mit und zurück in der Wohnung meines Onkels, fiel ich todmüde ins Bett.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

Eine Antwort zu “Meine Kindheit – Unterwegs mit meinem Onkel

  1. An Kochwäsche aus einem mit Holz angeschürten Waschkessel kann ich mich auch noch erinnern. Immer am ersten Montag im Monat war Waschtag. Daran habe ich schon lange nicht mehr gedacht. Danke für den Denkanstoß!

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