Meine Jugend – eine neue Sicht der Musik

Langsam bekam ich eine völlig neue Sicht auf die Musik und zwar nicht nur beim selber Spielen, sondern auch das Hören bzw. Erfühlen veränderte sich.

In vielem, was ich bisher nur als Umweltgeräusche wahrgenommen hatte, bemerkte ich eine eigenständige Melodie.

Stundenlang konnte ich so einfach mit geschlossenen Augen dem Straßenverkehr (der in den 60er Jahren noch relativ spärlich bei uns war) lauschen.

Oder den Haushaltsgeräuschen meiner Mutter beim Kochen, spülen, bügeln, etc.

Sogar der Schulunterricht ergab eine Melodie, wenn ich die Stimme des Lehrers ausblendete und bloß auf die Geräusche der Schüler oder sonstiges im Klassenzimmer achtete.

Dabei lernte ich nach und nach die Empfindlichkeit meiner Ohren wie an einem Radio bei der Frequenzsuche einzustellen.

Dadurch war es mir, irgendwann möglich meine Konzentration gezielt auszurichten und einzugrenzen oder auszuweiten.

Diese Fähigkeit, ermöglichte es mir, mich auf die Töne der einzelnen Instrumente einer Band zu konzentrieren.

Damals kamen die Noten bzw. Partitionen der neuesten Schlager meistens erst mit langer Verzögerung auf den Markt.

Wenn eine Musikband auf dem neuesten Stand sein wollte, musste sie sich die Noten entweder selbst abschreiben oder jemanden finden, der so etwas konnte.

Dieses Fokussieren der Sinne hatte ich bereits erlebt beim Betrachten eines Bildes oder einer Mustertapete beim Zahnarzt.

Und war immer wieder erstaunt, wie leicht es mir doch gelang dabei, alles andere als nebensächlich auszublenden.

Viele dieser Fähigkeiten, die ich mir als Kind bereits aneignete, wurden mir jedoch erst Jahre später bewusst.

Zur damaligen Zeit erfolgte vieles intuitiv und wie von alleine.

Von manchen wurde ich deshalb als Träumer oder „Hans kuck in die Luft“ bezeichnet.

Aber mir war es egal, ob mich die anderen verstanden.

Ich liebte es, diese, scheinbar nicht für alle erlebbare Welt, zu entdecken und zu genießen.

Um mehr über die Stimmen der einzelnen Musikinstrumente zu lernen, sah ich mir die Probestunden der Max Greger Band und des SFB-Orchesters, mit Paul Kuhn als Dirigent, die zu dieser Zeit im regionalen Fernsehprogramm liefen, an.

Nicht ganz so einfach war es, alle Geräusche auszublenden, um eine unendliche Stille genießen zu können, die meine Gedanken einfach dahin schweben zu lassen.

Erst später, durch das erlernen vom autogenen Training und verschiedener Meditationsübungen, begriff ich, was für eine besondere Fähigkeit ich da besaß.

Weitere Jugenderinnerungen:

Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Musik
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

Eine Antwort zu “Meine Jugend – eine neue Sicht der Musik

  1. Autogenes Training … meine Welt !

    Gefällt 1 Person

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