Meine Jugend – unruhige Zeiten – Geldspielautomat – Teil 2

Eines Tages kam mir die Idee, dass es durch eine Aufteilung des Geldeinsatzes am Spielautomaten möglich sein sollte, das Verlustrisiko zu minimieren.

Was allerdings nur mit ein paar geeigneten Mitspielern möglich wäre.

Da ich regelmäßig das Spielverhalten anderer beobachtete, war mir einer aufgefallen, der meiner Art zu spielen sehr ähnlich war.

Er drückte auch nicht wahllos die Start- und Stopptasten, sondern prägte sich vor jedem neuen Spiel erst einmal den Stand der Symbole ein.

Ebenso schien er sich wie ich, mehr für sein Spiel zu interessieren, als mit den anderen herum zu quatschen.

Dies war ein weiterer Pluspunkt, um mit ihm Kontakt aufzunehmen.

Nach ein paar Sätzen waren wir uns schnell einig, meinen Plan auszuprobieren, um unsere Gewinnchancen damit zu verbessern.

Auch seine Idee noch andere, die dafür infrage kämen, mit ins Boot zu nehmen, fand ich gut.

Letztendlich waren wir vier, die regelmäßig über die Geldspielautomaten herfielen, um sie möglichst zu leeren.

Was natürlich nicht immer gelang, doch im Großen und Ganzen meiner Idee recht gab.

Alle drei waren bei mir auf der Schule.

Doch außer, dass sie öfters miteinander pokerten, waren sie mir nie aufgefallen.

Der Wortführer dieser Gruppe war Peter, den ich bereits vom Pokern gut kannte.

Er hatte außerdem gute Kontakte zu anderen Örtlichkeiten mit Geldspielautomaten.

So konnten wir auch anderswo spielen, um zu verhindern, dass unsere überproportionalen Gewinne, die wir sehr bald erzielten, auffielen.

Es gab damals überwiegend zwei Arten von Automaten, entweder mit drei Scheiben oder drei Walzen, die durch mechanische Bremsen gestoppt wurden.

Am liebsten und besten beherrschbar waren die mit den Scheiben, denn da hatte man die Symbole immer im Überblick.

Pro Scheibe ein Spieler und der vierte hielt die Zusatzgewinnanzeigen im Blick.

Vor jeder neuen Runde wurde zuerst abgestimmt, auf welche Gewinnsymbole gespielt werden solle.

Eine meiner Aufgaben war, festzustellen, mit welcher Bremswirkung, wir zu rechnen hatten, nachdem die Stopptaste betätigt wurde.

Zusätzlich hielt ich so genau wie möglich, aus dem Gedächtnis, jede Spielrunde pro Gerät schriftlich fest, um mögliche Gewinnquoten auszurechnen.

Dadurch verringerten wir deutlich die reine Glücksseite zugunsten der Mathematik, gepaart mit unserer Geschicklichkeit die Scheiben bzw. Rollen zu stoppen.

Jeder Gewinn wurde sofort aus dem Automaten ausgeworfen, um zu verhindern, dass das nächste Spiel automatisch startete.

Damit wir genügend Startkapital hatten, verwaltete ich mit dem Einverständnis aller, das gemeinsam gewonnene Geld und zahlte nur einen Teil an die anderen aus.

Außerdem kannte ich einen Bücherladen, wo ich ohne großes Aufheben, dieses in größerer Menge in Scheine umwechseln konnte.

In einer Kleinstadt, wo sich viele untereinander kannten, war dies in den 60er Jahren nicht so leicht, als Kind aus armen Verhältnissen, plötzlich mit so viel Kleingeld aufzutauchen.

Nur zu schnell kam der Verdacht auf, dass dieses Geld gestohlen sein könnte.

Oder aber die Eltern, die es nicht unbedingt wissen sollten, würden von Geschäftsleuten oder Bankmitarbeiter darüber informiert werden.

Um nicht, als eine verschworene Gemeinschaft aufzufallen, vermied ich möglichst jeden Kontakt außerhalb der Treffen oder in der Schule mit den anderen, außer mit Peter beim Pokern.

Denn was die anderen drei machten, war nicht mein Problem. So dachte ich zumindest.

Was sich jedoch als großer Irrtum herausstellte und eine weitere Lektion in meinem Leben war, die ich lernen musste.

Weitere Jugenderinnerungen:

Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Jugend

3 Antworten zu “Meine Jugend – unruhige Zeiten – Geldspielautomat – Teil 2

  1. Ich bekomme immer mehr den Eindruck, dass du ein sehr organisierter Mensch bist.

    Gefällt 2 Personen

  2. Faszinierend zu lesen.
    Es hilft mir, jemanden noch besser zu verstehen.

    Gefällt 1 Person

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