Meine Jugend – unruhige Zeiten – Geldspielautomat – Teil 1

Um etwas mehr Geld fürs Pokern zu habe reichte mein Können im Billard nicht aus und so schaute ich mal an den Geldspielautomaten vorbei.

Da ich öfters dem Techniker beim Reparieren bzw. Warten der Geräte zuschaute, wusste ich um einiges mehr, als die üblichen Spieler, wie man die Gewinnchancen verbessern kann.

Wobei ich mir auch hier ein genaues Limit setzte, wann ich genug gewonnen oder verloren hatte.

Eines Tages, es war im Winter, spielte ich, wie jedes Mal, voll konzentriert, an einem der Glücksspielautomaten im Billardzimmer.

Meine neuen Nappalederhandschuhe, die mir zum Geburtstag geschenkt wurden, lagen auf einem Stuhl neben mir.

Doch als ich mein Spiel beendete, musste ich feststellen, dass sie weg waren.

Ich spürte, wie mir augenblicklich das Blut in den Kopf schoss und unermessliche Wut in mir hochstieg.

So mit Adrenalin vollgepumpt machte ich mich wutschnaubend auf die Suche, um ein paar, auf dem Ölheizofen liegende, sich langsam immer mehr zusammenziehende, rußgeschwärzte Stücke zu entdecken, die vormals meine Handschuhe waren.

Die plötzliche Stille am nahegelegenen Billardtisch und die Tatsache, dass alle Anwesenden ihre Blicke auf nur einen Spieler richteten, ließ keinen Zweifel offen, wer der Schuldige war.

Stillschweigend nahm ich die misshandelten Handschuhe und knallte sie mitten auf den Tisch.

Erst jetzt bemerkte ich, dass ich gerade jemanden, am Spiel entscheidenden Stoß störte, dem man besser aus dem Weg ging.

Was mir allerdings in diesem Augenblick völlig gleichgültig war.

Mein Gesichtsausdruck, gepaart mit dem zwischen den Zähnen heraus gepresstem „Wer war das?“, veranlasste diesen, normalerweise den Spielsalon dominierenden Jugendlichen, zu einer unerwarteten Reaktion.

Denn er rannte, wie von einer wilden Hummel verfolgt, um den Tisch herum und direkt zum Ausgang.

Obwohl ich nur sehr ungern rannte, hetzte ich ihm auf der Stelle hinterher und verfolgte ihm bis zu einem Mehrfamilienhaus, in das ich ihn hinein laufen sah.

Noch bevor ich jedoch die letzte Treppe zu ihm hochlaufen konnte, ging die Wohnungstüre auf und eine etwa 60 – 65 Jahre alte Frau stand, mit einem Waschprügel in der Hand, im Türrahmen.

Es war seine Großmutter, wie ich gleich darauf erfuhr, die mit ihrer stattlichen Breite, fast nicht durch die Türe passte.

Auf ihre harschen Worte „Was ist hier los? Und wo soll ich mitspielen?“ holte ich erst einmal tief Luft, denn ich konnte mir kaum ein Lachen verkneifen, als ich ihren Enkel sah, der sich zitternd hinter ihrem Rücken zu verstecken versuchte.

Nachdem ich ihr dann erzählte, was passiert war, verschwand sie, nach einem durchdringenden Blick auf das Häufchen Elend, in der Wohnung, um gleich darauf mit etwas Geld zu erscheinen, als Wiedergutmachung des Schadens.

Beim Hinausgehen hörte ich dann zu meiner äußersten Genugtuung einige klatschende Geräusche und es fiel mir die Geschichte vom „Knüppel aus dem Sack“ ein.

Mit breitem Grinsen machte ich mich dann sogleich auf den Weg ins Kaufhaus, wo ich rasch das gleiche Paar Handschuhe fand, die ich zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte.

Weitere Jugenderinnerungen:

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2 Antworten zu “Meine Jugend – unruhige Zeiten – Geldspielautomat – Teil 1

  1. Musst ja ein ziemlich ruder Typ gewesen sein!

    Gefällt 1 Person

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