Meine Kindheit – Schulzeit – die elektrische Landkarte

Nachdem wir jede Menge Arbeiten zur Aufbesserung unserer Schule gemacht hatten, gingen wir an verschiedene eigene Projekte, zumindest wir Jungs.

Keine Ahnung was die Mädchen in diesen Zeiten so machten, eventuell Kochen, Nähen oder andere Dinge die so im Haushalt anfallen.

Zusammen mit Ludwin, einem weiteren mir bis dahin unbekannten Cousin, der besonders im gestalterischen begabt war, entschlossen wir ein Model der hessischen Bergstraße zu fertigen.

Es sollten dabei besondere Orte, Berge, Flüsse durch Auswahl auf einer Wählscheibe und Berühren eines Metallpunktes aufleuchten.

Jeder von uns hatte für kleinere Zuarbeiten einen weiteren Mitschüler ausgewählt.

Das benötigte Material und ebenso die Werkzeuge mussten wir selbst besorgen, was jedoch kein großes Problem darstellte.

Vieles davon konnte ich aus dem Fundus der Dachbodenrenovierung beisteuern und den Rest möglichst kostenlos vom Schreiner oder meinem Vater besorgen.

Die Landschaft wurde aus Sägespänen mit Leim vermischt geformt und bemalt, auf einer großen Platte aus Pressspan.

In der Zwischenzeit kümmerte ich mich darum, einen Schaltplan für die elektrischen Verknüpfungen zu zeichnen.

Als dann die Leimkonstruktion ausgehärtet war, wurde das Ganze auf zwei Böcken aufgebahrt.

Dadurch konnte ich bequem darunter meine Lötarbeiten durchführen.

Zuvor musste ich an den von mir vorgeplanten Stellen die Löcher bohren, bei den Bergen, und bei den flachen Stellen lange Holzschrauben eindrehen.

Den Lötkolben mit Lötzinn lieh mir mein Vater, der mir ebenfalls zeigte, wie man damit richtig umgeht.

Dennoch blieb es nicht aus, dass ich gelegentlich mit der heißen Lötkolbenspitze leichte Brandwunden an meinen und den Fingern meines Assistenten produzierte.

Damit mir, auf dem Rücken liegend und über Kopf arbeitend, kein heißes Lötzinn ins Gesicht fiel, bekam ich von meinem Vater, eine alte ausgediente Schweißerbrille mit Gesichtsschutz.

Während ich so gemütlich die Drähte mit den Kabeln verlötete, bemalte mein Cousin die Landschaften.

Zum Abschluss wurden die Schraubenspitzen per Hand abgeschliffen, um eine Verletzungsgefahr beim Transport zu vermeiden.

Gespannt wartete die ganze Klasse darauf, als wir fertig waren und die kleine Batterie angeschlossen war, ob denn die richtige Lampe aufleuchtet, beim ersten Versuch.

Wir hatten es natürlich vorher bereits getestet, aber es war schon etwas anderes, wenn jemand, der sich nicht damit auskennt, dies bedient.

Schließlich sollte es nicht ein Ausstellungsstück werden, sondern war gedacht als Unterrichtsergänzungsmaterial, auch der unteren Klassenstufen.

Im Prinzip hatten wir einen einfachen Computer gebaut, was uns indes nicht bewusst war.

Ludwin lernte später Schaufensterdekorateur und absolvierte in Abendschule eine Designerausbildung.

Mein Gehilfe hatte, durch unsere gemeinsame Arbeit, sein Interesse an der Elektrotechnik entdeckt.

Er ging nach Schulabschluss zur Ausbildung in ein großes Elektrounternehmen in der nächsten Großstadt.

Wie ich später, von meinem alten Lehrer erfuhr, gelangte diese Arbeit sogar in die neue Schule.

Dort wurde es noch einige Jahre genutzt, bevor es in die Aula als Ausstellungsstück wanderte.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit – Schule

2 Antworten zu “Meine Kindheit – Schulzeit – die elektrische Landkarte

  1. Da kann man richtig neidisch werden. Solch ein spannendes Projekt wurde bei uns nie hergestellt. Das hat bestimmt viel Spaß gemacht und zwei Deiner Schulkameraden fanden dabei das, was ihnen beruflich Spaß macht.

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    • Ja, das war schon ein Ausnahmelehrer, der sich in diesem Fach ohne Lehrplan freie Hand nahm bzw. uns nach eigenen Wünschen gestalten ließ.
      Da hätten sich einige andere Lehrer etwas abschauen können.

      Gefällt 1 Person

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