Meine Kindheit – der zweite Musiklehrer – Teil 3

Neben vielem anderen lernte ich bei dem Stadtkapellmeister, dass ein Musikstück alles andere, als nur eine bestimmte Tonart und Rhythmus hat.

Es kommt, wie bei einem Gedicht, darauf an, wie die Art und Weise des Vortrages.

Bisher dachte ich, dass wenn dort 3/4 Takt steht, ich eben 1, 2, 3 zählen muss und in diesem Tempo zu spielen habe.

Aber Takt und Tempo sind zwei sehr unterschiedliche Informationen in der Musik.

Gleichgültig ob alleine oder in einer Gruppe, muss man sich an die vom Komponisten festgelegten Tempi halten, damit es so erklingt wie beabsichtigt.

Dies alles kannte ich von meinem alten Musiklehrer nicht.

Denn um normale Hausmusik bzw. Tanzmusik im kleinen Kreise zu machen, genügte es auf das eigene Gefühl zu achten.

Aber ich bemerkte, dass es viel ausmachte, ob ich ein Musikstück „Adagio“ (langsam, ruhig) spielte, das eigentlich laut Notenangabe „Allegro“ (schnell, munter, fröhlich) gespielt werden sollte.

So wurde aus einem fröhlich vor sich hinplätschernden Gebirgsbach ganz schnell ein träges, langsam versickerndes Rinnsal.

Sehr verwunderlich war für mich, dass dies nicht bloß für klassische Musikstücke galt, sondern genauso für moderne Schlager.

Wenn man dies nicht berücksichtigte, vermochte es zwar angenehm klingen, aber fast unmöglich sein, das Gefühl des Liedes zu erahnen, geschweige dazu zu tanzen.

Mit diesem neuen Wissen konnte ich bald feststellen, wie viele meiner alten Musikstücke auf einmal viel schöner klangen.

Und außerdem manches, was ich vorher als langweilige Musik ansah, urplötzlich die Sinne zum Schwingen brachte.

Inzwischen übte ich jeden Tag mindestens 1 bis 2 Stunden, mit dem Hintergedanken, später in einer Band einen ganzen Abend spielen zu können.

Manchmal so lange, bis ich kaum noch meine Backenmuskeln unter Kontrolle halten konnte, die von der ungewohnten Anspannung anfingen zu zittern.

Kein wirklich schöner Klang in jedem Ton einen ungewollten Vibrator hineinzulegen.

Meinem Vater gefiel meine neue Art des Musizierens, denn nun könne man deutlich die Melodie des vorgetragenen Werkes spüren.

Weitere Kindheitserinnerungen:
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