Meine Kindheit – die neue Schule

Zum Beginn der 5. Klasse, dass außerdem noch ein Kurzschuljahr war, d.h. die 4. war nur 6 Monate und nach den Sommerferien begann die nächste Stufe in einer neuen Schule.

Unser Klassenlehrer war von den neuen Schülern wenig begeistert. Bedeutete es doch Mehrarbeit für ihn, diese zu integrieren.

Ebenfalls fühlte er sich bemüßigt, sich ein Urteil zu bilden, wer danach für eine höhere Schule geeignet wäre.

Wobei er die Meinung vertrat, dass Arbeiterkinder am besten wieder Arbeiter werden sollten, und deshalb keiner besonderen Unterstützung bedürfen.

Durch diese bewusste Abgrenzung der Schüler, die seiner Meinung nach einer Förderung “würdig” waren und die im nächsten Schuljahr in eine Parallelklasse verschoben wurden, schwand bei den meisten, die nicht dazu gehörten das Interesse, sich überhaupt am Unterricht zu beteiligen.

Unter anderem wollte er mir mein Saxophonspielen verleiden, indem er mich aufforderte, damit vor der Klasse mein Können zu zeigen.

Jedoch nicht, um mich zu motivieren, sondern lediglich zu demonstrieren, dass eine musische Ausbildung für ein Arbeiterkind unnütz sei.

Denn dass ich in meinem damaligen Alter kaum imstande sein konnte, klassischer Musik, die er auf der Geige vorspielte, ohne entsprechender Vorbereitung zu folgen, wusste er ganz genau.

Vor allem, da er die erste Stimme spielte und ich die zweite spielen sollte, die nur wenig mit der Melodie zu tun hatte.

Und so nutzte er mein Scheitern voll aus, mich vor der ganzen Klasse wie einen Tanzbären am Nasenring als Nichtskönner vorzuführen.

Mir konnte er damit jedoch nicht den Spaß und die Freude am Musizieren verleiden.

Offensichtlich war ich nicht der Einzige, der unter diesem Lehrer, sofern man ihn als einen solchen bezeichnen konnte, zu leiden hatte.

Außerdem befand ich mich regelmäßig außerhalb des Unterrichtsraumes, da ich es wagte seinen Unterricht durch unnötige Fragen, wie er meinte, zu stören.

Bereits im nächsten Jahr war er aus der Schule verschwunden.

Dieses eine Schuljahr hatte die gesamte Klasse in ein schlechtes Licht gerückt.

Es war für die nachfolgenden Lehrer nicht einfach, das Interesse der Schüler am Lernen neu zu wecken.

Der Kantor der städtischen Hauptkirche übernahm den Musikunterricht und nahm mich, aufgrund meiner schönen Stimme, wie er sagte, sofort auf, um in seinem Kirchenchor mitzusingen.

Mit Begeisterung stürzte ich mich auf diese, für mich neue, musische Herausforderung.

Schnell befand ich mich in der Gruppe des Chores wieder, die jeden Sonntag und an den Feiertagen in der Kirche sang.

Ein nicht unbedeutender Einschnitt in meinen üblichen Sonntagsablauf, denn zuvor hatte ich sehr selten den Kindergottesdienst am Nachmittag besucht.

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3 Antworten zu “Meine Kindheit – die neue Schule

  1. Hallo Dieter,
    Bei mir war es eine Lehrerin auf der Grundschule, die mir den Spaß am lernen nahm.
    Als meine Mutter sie vor ein paar Jahren wieder traf wunderte sie sich sehr, was aus mir geworden war!
    Ich wünsche dir einen schönen Abend.

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    • Ja, leider gibt es viel zu viele schlecht ausgebildete bzw. motivierte Lehrer …
      Ich wünsche auch dir einen schönen Montagabend
      Viele Grüße
      Dieter

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      • Zumal diese Dame mich wg Legastenie auf die Sonderschule schicken wollte. Auf der Hauptschule war ich dann in der Begabten Förderung um dann den Realschulabschluss zu schaffen. Bei meinem Einstellungstest wurde dann ein überdurchschnittlicher IQ ermittelt, was mich motivierte nach der Ausbildung noch die Abendschule zu besuchen 😉

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