Meine Kindheit – der zweite Musiklehrer – Teil 1

Wie meistens klärte erst einmal mein Vater die grundsätzlichen Dinge (wie z.B. Kosten, Ort und Zeit des Unterrichts, etc.) mit dem Stadtkapellmeister, bevor er einen Termin zum Vorspielen für mich ausmachte.

Er bekam ein paar Notenblätter mit, die ich bis dahin üben und mir ein Stück davon aussuchen solle.

Der nächste freie Termin, zum Vorspielen, war erst nach den Herbstferien und somit hatte ich genug Zeit zum Üben, was ich fleißig tat.

Bisher spielte mein alter Musiklehrer mir immer auf seinem Saxophon ein neues Stück vor, sodass ich mich dann an dem zuvor Gehörten orientieren konnte.

Diese Musikstücke waren jedoch völlig anderer Art und ich musste Klang und Rhythmus selbst herausfinden.

Außerdem enthielt es Angaben, wie Adagio, Allegro, Presto, Fortissimo, Crescendo, u.a.m., von denen ich bisher noch nichts hörte.

Nur wenig half es mir, diese Begriffe im Lexikon nachzulesen. Es fehlte einfach ein musikalisches Beispiel für meine Ohren.

Dementsprechend war ich unsicher, als ich zum ausgemachten Termin ging.

Dort saßen bereits einige andere und warteten, während mitten im Raum an einem Tisch der Musiklehrer saß, der gerade einen anderen Jungen ein Musikstück vortragen ließ.

Als ich das sah, wäre ich am liebsten wieder gegangen.

Bisher hatte ich nur mit meinem Lehrer alleine geübt oder höchstens vor der Familie gespielt, aber nicht vor fremden Menschen.

Das Warten, bis endlich alle, die vor mir da waren, vorgespielt hatten, war für mich nervenaufreibender, als im Wartezimmer eines Zahnarztes sitzen zu müssen mit einem Loch im Zahn.

Nach einer gefühlten Ewigkeit war es dann soweit und ich nahm all meinen Mut zusammen, um mit meinem Saxophon im Arm nach vorne an den Tisch zu treten.

Der Stadtkapellmeister, ein älterer freundlich aussehender Mann mit einer Trompete in der Hand, forderte mich auf, einfach loszulegen mit dem von mir bevorzugten Werk.

Zuerst zaghaft, doch nach ein paar Takten viel mutiger, spielte ich das ausgewählte Musikstück (eine Etüde eines mir unbekannten klassischen Komponisten) auf meinem Saxophon.

Nachdem ich fertig war, wartete ich gespannt auf das, was wohl der Musiklehrer nun sagen würde, denn ich konnte beobachten, dass er sich die ganze Zeit Notizen macht e und mit seinem Fuß im Takt mit wippte.

Als Erstes meinte er, dass es sich ganz gut anhöre, meine Töne klar und deutlich gespielt seien.

Aber für ihn offensichtlich, woran dringend gearbeitet werden müsse, wenn ich wirklich ernsthaft daran Interesse hätte, meine Fähigkeiten zu verbessern.

Es ist unverkennbar zu merken, dass du bisher nur alleine gespielt hast und daher nicht darauf achten musstest, den Takt exakt einzuhalten“, waren seine nächsten Worte, die mich gleich wieder ein bisschen unsicherer werden ließen.

Grundsätzlich sehe ich genug Potenzial bei dir, mit viel Fleiß und Engagement, was ich unterstützen und fördern würde, etwas machen zu können, das über dem üblichen Haus-/Tanzmusiker hinausgeht“.

Was genau er damit meinte, ließ er offen, jedoch hörte sich dies für mich sehr gut an.

Und so war ich nicht überrascht, dass er mich als seinen Schüler annahm.

Ein kleines bisschen stolz war ich schon, denn nicht jeder konnte das Zuhause berichten, der heute vorgespielte.

Anschließend schickte er mich mit einer Notiz zu seiner Assistentin, damit diese die nächsten Einzelübungstermine mit mir vereinbaren könne.

Mit diesem Ergebnis des Vorspielens war ich überaus zufrieden und konnte es kaum erwarten, die ersten Unterrichtsstunden, zu bekommen.

Anders als bei meinem vorhergehenden Lehrer hatte ich das Gefühl, von ihm eine Menge lernen zu können.

Weitere Kindheitserinnerungen:
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