Meine Kindheit – wie ich Science Fiktion entdeckte

Gehandikapt durch den lädierten Fuß und nichts mehr zum Lesen fielen mir die Heftchen meines Vaters ein.

Seit einiger Zeit lass er diese und verstaute sie immer im Schrankteil, wo wir Kinder eigentlich keinen Zugriff hatten.

Aber das dieser abgeschlossen war und der Schlüssel für mich unerreichbar, sollte mich nicht daran hindern, meine Neugierde zu stillen.

Ich probierte einfach alle ähnlich aussehenden aus und fand rasch einen, der fast passte.

Mit ein paar kleinen Tricks und einer Feile korrigierte ich die letzten Feinheiten, bis sich die Türe öffnete.

Das meiste erschien mir nicht interessant, aber gespannt schaute ich auf einen kleinen Stapel Hefte, die wie neu aus der Druckerpresse aussahen.

Zuerst dachte ich, es wären vielleicht so etwas wie Comics für Erwachsene.

Um so überraschter war ich, als ich wie in einem Buch reine Textseiten vorfand.

Also machte ich mich an das Heft mit der Nummer 1, um zumindest mal einen ersten Einblick zu gewinnen.

Wobei ich zugeben muss, dass ich eigentlich fast alles las, sogar wenn es nichts anderes gab, die Mädchenbücher meiner Schwester.

Hier jedoch hatte ich mit Perry Rhodan eine technisch orientierte Science Fiction vor mir, die mit der ersten Mondlandung begann und diese spielt nicht all zu weit in der Zukunft.

Ganz anders als dass, was ich bisher gelesen hatte an Abenteuerbücher, die meist eine für mich unwahrscheinliche Technik und nur selten wissenschaftliche Tatsachen beschrieben.

Mit großem Interesse hatte ich bisher bereits die Nachrichten über die ersten Raumflüge der Amerikaner und Russen verfolgt.

Ich fand es durchaus im Bereich des Machbaren, dies, was in dem ersten Roman beschrieben war, selbst zu erleben.

Bevor es mein Vater doch eventuell bemerken sollte, dass ich da an seine heimlichen Schätze ging, fragte ich, als er das nächste neue Heft am Lesen war, ob ich vielleicht auch mal dieses lesen dürfte.

Besonders begeistert sah er zuerst nicht aus.

Dennoch erlaubte er es mir, mit der Bemerkung „Wenn du ein Eselsohr, Knicke oder sonstige Beschädigungen verursachst, kaufst du sie neu“.

Er behandelte diese Hefte äußerst sorgsam, als wären sie wertvolle Briefmarken oder andere alte Sammelgegenstände.

Da ich selbst mit meinen eigenen Dingen mit äußerster Umsicht umging, sollte dies kein Problem darstellen.

Als dann die Romanserie mehr und mehr ins Metaphysische abdriftete, ließ das Interesse meines Vaters daran nach, mich jedoch hielt sie für die nächsten 20 Jahre in ihrem Bann.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

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