Meine Kindheit – Nagel im Fuß

Es waren Herbstferien, aktuell kein weiterer Saxophonunterricht und die Aufnahmeprüfung beim Stadtkapellmeister erst nach den Ferien.

Den halben Nachmittag hatte ich mit Freddy ausgiebig in der Bleiche getonpt, sodass eer nun total ausgepowert in seinem Bettchen vor sich hin schnarchte.

Also Zeit vorm, Abenmdessen etwas mit den Nachbarjungs zu unternehmen.

Auch wenn ich die letzten Monate kaum noch mit ihnen zusammen unternahm, wurde ich mit lautem Hallo begrüßt.

Einer unserer Lieblingsplätze, obwohl verboten, war das im Abbau befindliche Winzerfest.

Die Holzbuden waren alle zerlegt in die Einzelteile und lagen bereits zum Abtransport am nächsten Tag.

Sie würden im städtischen Bauhof gut eingemottet aufs nächste Jahr warten.

Für uns eine Ideale Spielwiese auf den Holzstapeln herumzuturnen, dahinter auf die Lauer legen, Weitsprung üben von einem Stapel auf den nächsten.

Nicht jeder Sprung klappte, was jedoch kein Problem darstellte, da sie bloß knappe zwei Meter Hoch gestapelt waren.

Allerdings sollte man dabei darauf achten, in kein Brett zu springen, das noch einen Nagel, der nach oben zeigt, hat.

Mir musste es dann mit meinen großen Füßen passieren, dass sich wahrscheinlich der einzige nicht entsorgte Nagel sich durch meinen linken Fuß bohrte.

Ich merkte ein kurzes Stechen, wie von einer Nähnadel und schon schaute das Metallteil oben aus meinem Schuh.

Zum Glück kam gerade mein Vater von der Arbeit zurück.

Als er sah, dass die anderen wie von wilden Wespen gejagt verschwanden und ich wie angenagelt stehen blieb, steuere er direkt auf mich zu, um zu erkunden, was da los ist.

Er schaute sich das Malheur kurz an und verschwand mit den Worten „Müssen wir absägen“ Richtung unseres Kellers, der sich ein paar Schritte entfernt befand.

Da ich mir sicher sein konnte, er würde nicht meinen Fuß, sondern das Holzbrett damit gemeint haben, versuchte ich möglichst mein Gewicht auf die rechte Seite zu verlagern.

Nachdem er das Holzstück verkürzt hatte, nahm er mich Huckepack und marschierte, quer über den Marktplatz, zum neben der Apotheke befindlichen Unfallchirurg.

Ein neuer Arzt, etwas fremdländisch ausschauend, aber passend zu seinen Namen, der erst vor kurzem seine Praxis dort eröffnet hatte.

Natürlich kamen wir als Notfall direkt an die Reihe und circa 45 Minuten später konnten wir die Praxis verlassen.

Vom Nähen hatte ich nichts gespürt, außer das es an der Fußsohle, wo ich dafür sehr anfällig war, stark kitzelte.

Die Tetanusspritze hatte fast mehr geschmerzt, als das Entfernen des Nagels, welches lediglich unter leichter Vereisung erfolgte.

Tragen, wie ein Kleinkind, wollte ich mich nicht lassen, was mein Vater mit einem Grinsen akzeptierte.

Meine Mutter und auch Freddy, mein kleiner Hund, waren wenig begeistert, als ich so heimkam.

Für die nächsten 8 bis 14 Tage würde ich kaum mehr tun können, als den Fuß zu schonen.

Es verheilte rasch und zum Fäden ziehen, nach einer Woche, humpelte ich alleine die paar Meter.

Keiner meiner Spielkameraden ließ sich in dieser Zeit blicken und damit waren sie für mich endgültig gestorben.

Wirkliche Freunde, zumindest dass was ich darunter verstand, waren sie sowieso nie wirklich gewesen.

Dies bedeutete jedoch nicht, dass ich nur noch alleine in der Wohnung herumsaß, nachdem ich wieder ordentlich laufen konnte.

Ich kümmerte mich ein bisschen intensiver um meine Schulkameraden, ohne mich aufzudrängen, die ich zuvor meist zu sehr vernachlässigt hatte.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

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