Meine Kindheit – mein Vater und die Malerei

Mein Vater konnte unheimlich gut und exakt zeichnen, wofür ich ihn bewunderte.

Ohne Hilfsmittel nur mit einem Bleistift oder Kohlestift brachte er Dinge auf Papier, die aussahen, als wären sie auf einem Reißbrett entstanden.

Ebenso war es mit seiner Schrift, ohne Hilfslinien, kerzengerade, jeder Buchstabe, wie mit einer Schablone erstellt.

Wenn ich das versuchte, war schon nach ein paar Millimetern eine Abweichung nach oben oder unten zu sehen.

Dies könnte allerdings daran gelegen haben, dass ich Linkshänder bin, in der Schule jedoch bloß mit rechts Schreiben durfte.

Als ich nun von der Kur zurückkam, stand in unserem Wohnzimmer eine Staffelei, auf der er bereits die ersten Bilder in Ölfarbe erstellt hatte.

Ein nicht gerade billiges Hobby.

Aber nachdem die Inhaberin des örtlichen Kunstgeschäftes seine ersten Kohlezeichnungen gut verkaufen konnte, finanzierte sie ihm das Material vor bzw. nahm Bilder in Kommission als Gegenleistung.

In kurzer Zeit hatte er sich so auch einige der Kaufleute, die gerne ein Bild aus früheren Zeiten haben wollten, als Kunden gewonnen.

Vom Bäcker über die Apotheke, den Arzt, die Metzgerei und sogar im Rathaus, waren bald Werke meines Vaters zu bewundern.

Die dafür nötigen Motive nahm er von alten Postkarten und ergänzte sie je nach gewünschter Jahreszeit und Jahrhundert mit dazu passenden Passanten.

Leider war es damals, wie man so sagte, eine „brotlose“ Kunst, denn von dem, was damit zu verdienen war, konnte er nicht die Familie ernähren.

Und so blieb ihm lediglich die wenig Freizeit, die er hatte, um sich damit zu beschäftigen.

Später fing er auch mit Porträtmalerei und Stillleben an.

Eine der wenigen Begabungen, die er nicht an mich weitergegeben hat, wobei ich es nie wirklich ernsthaft ausprobierte.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

3 Antworten zu “Meine Kindheit – mein Vater und die Malerei

  1. Meine Om konnte auch sehr gut zeichnen. Sie hat mir bei einer Schulaufgabe mal die Hand geführt und die Lehrerin schrieb darunter: „Die Arbeit einer Oma.“ Sie wußte, wie ich sonst im Unterricht malte.

    Gefällt 2 Personen

  2. Ich hatte einen Onkel, der das auch so wunderbar konnte, ich glaub, ich hab sogar noch Zeichnungen von ihm in meinem „Archiv“. Ich bewundere solch ein Talent auch sehr, ich kann es aber leider auch so gar nicht!
    Schade, daß du als Linkshänder in der Schule mit rechts schreiben mußtest, mein Sohn ist auch Linkshänder und zu seiner Schulzeit war das zum Glück nicht mehr üblich, er schreibt mit links.
    Hab einen schönen Sonntag, liebe Grüße
    Monika und Mimi.

    Gefällt 1 Person

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