Meine Kindheit – die Kur , frühmorgendliches Erlebnis

Wir hatten bereits einige Tage, bei unserem frühmorgendlichen Vorfrühstück an der Küchenhintertüre, grau Schatten am Waldrand beobachtet.

Aber leider zu weit entfernt, um ohne Fernglas, genauer erkennbar zu sein.

Die Köchin, die ich darauf ansprach, meinte, es könnten Wölfe sein, weswegen wir auch nie alleine in den Wald gehen sollten.

Scheinbar hatten wir den Leitwolf durch unsere Schatten in der Glastüre angelockt.

Denn langsam, nach allen Seiten vorsichtig wittern näherte sich ein immer größer werdendes graues Tier.

In etwa einer Armlänge blieb er neugierig stehen und musterte kurz meinen Nachbarn, der krampfhaft versuchte nicht aufzuspringen, jedoch bereit zum Weglaufen.

Dann blieb sein Blick an mir hängen und ich musterte ihn in gleicher Weise wie er mich.

Eine ganze Weile blickte er mir ganz tief in die Augen, wobei er für mich nicht so böse aussah, wie er meistens hingestellt wird, zum Beispiel als Meister Isegrim in Märchen.

Auge in Auge mit dem großen grauen Wolf kam es mir vor, als würde die Zeit stehen bleiben.

Anders als bei einem Hund war es mir nicht möglich, zu erkennen, durch einen wedelten Schwanz oder andere körperliche Zeichen, ob er mich interessiert Musterte oder fixierte, bereit mich anzugreifen.

Wobei es mir vorkam, dass er sich mehr und mehr entspannte, ich also nicht als gefährlich oder mögliche Beute von ihm eingeschätzt wurde.

Ich hätte noch endlos sitzenbleiben können, aber die lauter werdenden Geräusche, aus der Küche, veranlassten ihn, zurück zu seinem Rudel zu trotten.

Dabei sah er für mich deutlich entspannter aus, als vorher beim Anpirschen.

Ein wunderschönes Tier mit einem sehr elastischen Gang, bei dem man deutlich, bei jeder Bewegung, seine kraftvolle Muskulatur erkannte.

Leider war dies eine einmalige Begegnung, obwohl ich danach jeden Tag nach ihm Ausschau hielt.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

4 Antworten zu “Meine Kindheit – die Kur , frühmorgendliches Erlebnis

  1. Welch eine wunderbare Begegnung, lieber Dieter, so wie du das schilderst, hat sie euch beide gleichermaßen beeindruckt, dich genauso wie den Wolf!
    Wir wünschen eine gute Nacht, liebe Grüße
    Monika und Mimi.

    Gefällt 1 Person

  2. Grad sah ich zufällig, wie der Schauspieler Andreas Hoppe aus dem LU-Tatort (Kopper) sein neues Buch über Wölfe vorstellte. Auf der Buchmesse. Scheint sehr interessant zu sein.
    Dein Blogartikel ist es überaus. Kraftvolle Bilder!
    Gruß von Sonja

    Gefällt 1 Person

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