Meine Kindheit – Der Schularzt und die Kur

Bei der jährlichen Reihenuntersuchung in der Schule vom Amtsarzt war dieser der Meinung, ich solle in diesem Sommer auf eine Kur fahren.

Zum einen wäre ich leicht unterernährt und außerdem sehr dunkle Augenringe, die auf andere Mangelerscheinungen hindeuten würden.

Wobei ich diese dunkleren Augenringe von meiner Mutter geerbte hatte und in den letzten Monaten einen kräftigen Wachstumsschub, was das niedrige Gewicht erklärte.

Aber einen kostenlosen Urlaub, da sagte in unserer Familie niemand nein dazu.

Lediglich ein Schwachpunkt empfand ich dabei, dass wie üblich es nur ging, würde meine Schwester mitfahren dürfen.

Vom Hausarzt wurde daraufhin eine Bescheinigung für die Krankenkasse ausgestellt, womit es genehmigt wurde, dass wir beide zur Kur gehen durften.

Bis es jedoch soweit, war hatte meine Mutter einiges zu tun, zum Beispiel unsere Wäsche in Ordnung bringen und mit Namensschildern versehen.

Je näher der Abfahrtstermin kam, um so unruhiger wurden wir, denn es war die erste Bahnfahrt die wir beide alleine machen würden.

Im Zug waren zwar mehrere Betreuerinnen vom Kurheim, die an der ganzen Strecke regelmäßig weitere Kinder einsammelten, aber eben niemand sonst aus der Familie.

Bereits während der 4 – 5-stündigen Zugfahrt fing ich an, einen Brief an unsere Eltern zu schreiben.

Immer dabei ein Auge darauf haltend, das meine Schwester keinen Unsinn anstellte oder sonstigen Ärger verursachte.

Wobei sie die meiste Zeit damit beschäftigt war in einem Buch, welches sie mitgenommen hatte, zu lesen.

So nach und nach füllte sich unser Zugabteil, der extra für die Kurkinder reserviert war und die ersten Kontakte zwischen uns wurden langsam vorsichtig geknüpft.

Mich interessierte hingegen die vorbeirauschende Landschaft und die jeweiligen Haltebahnhöfe mehr.

Auf einer dieser Haltestelle wurde dann unser Mittagessen, Gemüsesuppe und Brote, eingeladen.

Meine Mutter hatte uns, da sie nicht wusste, wie der Verpflegung unterwegs wäre, belegte Brote und Pfefferminztee in einer Thermoskanne, mitgegeben.

Jedoch war für eine leckere Suppe bei mir immer Platz im Magen.

Nachdem wir endlich angekommen waren, wurden wir, vor Weiterfahrt des Zuges durchgezählt und einzeln auf einer Liste abgehakt.

Scheinbar hatten sie schon schlechte Erfahrungen gemacht, dass nicht alle ausstiegen.

Dann ging es weiter, mit dem heimeigenen Bus zur Kuranlage und während der Fahrt wurde uns erklärt, wie es weitergehen würde.

Weitere Kindheitserinnerungen:
Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit

3 Antworten zu “Meine Kindheit – Der Schularzt und die Kur

  1. Als ich damals zur Kur mußte (Skoliose/Rundrücken), mußte mich meine Oma bis Halle bringen. Von Dort fuhren Busse bis nach Bad Gottleuba, wo ich dann auf die Kinderstation 10 kam.
    Es gab ein strenges Regime und Schwester Irene „liebte“ mich besonders.

    Gefällt 1 Person

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