Meine Kindheit – meine erste Versicherung

Meine nächste Idee, was ich noch alles mit meinem Roller bewerkstelligen könnte, war auszuloten, welche Höchstgeschwindigkeit ich mit ihm erreiche.

Und da fiel mir der lange, steile Weg ein, der zum Marktplatz hinunterführte, und den wir Kinder im Winter als Abfahrtsbahn für unsere Schlitten benutzten.

Also legte ich sofort damit los.

Schnell hatte ich herausgefunden, je später ich bremste, umso weiter kam ich logischerweise.

Natürlich gefiel das meinen Freunden, von denen sich das aber keiner mit seinem Fahrrad traute.

Und so wurde es wieder ein „Gemeinschaftsroller”, mit dem jeder versuchte, die Bremse möglichst spät einzusetzen, um ein Stück weiter zu kommen, als die anderen.

Was keiner bedachte, dass sich der Bremsklotz, der nur aus einem Stück Gummi bestand, dabei nach und nach abnutzt.

Und wie sollte es anders sein, genau als ich auf halber Strecke des Bergabhangs feststellt, dass keine Bremswirkung mehr vorhanden war.

Wo alle bislang einige Meter vor der Hauptstraße zum Stehen gekommen waren, raste ich mit einem Affenzahn über diesen Punkt hinweg.

Zum Glück kamen damals sehr selten Autos um diese Zeit die Hauptstraße entlang.

Mit Müh und Not kam ich noch vorm Geschäft des Drogisten zum Stehen.

Dieser hatte dieses Szenario nämlich beobachtet und befürchtet, dass ich in seinem Auslagefenster landen würde.

So standen wir uns beide, er leichenblass, und ich mit zittrigen Knien und hochrotem Kopf gegenüber, und ich erwartete ein Donnerwetter.

Doch bevor dieser noch Luft schöpfen konnte, schoss seine Frau an ihm vorbei, um zu sehen, ob mit mir alles in Ordnung sei.

Schließlich kannten mich beide, da ihre Tochter in meine Schulklasse ging, und in so einer Kleinstadt fast jeder jeden kennt.

Mit einer Handvoll Bonbons und vielen ermahnenden Worten, wurde ich dann nach Hause geschickt.

Unter lautem Johlen wurde ich von meinen Spielkameraden empfangen, die sich auch gleich über die Süßigkeiten freuten, die ich mit ihnen teilte.

Beim Abendessen hielt ich es dann für besser, alles meinen Eltern zu beichten, bevor sie es von anderen hörten.

Natürlich kam ich nicht umhin, mir eine Standpauke anzuhören, sah jedoch deutlich, wie froh beide waren, dass mir nichts passiert war.

An diesem Abend allerdings traf mein Vater „zukunftsorientiert” die Entscheidung, eine Haftpflichtversicherung für mich abzuschließen.

Die ich übrigens heute, ein halbes Jahrhundert später, immer noch habe.

Weitere Kindheitserinnerungen:
https://dieka56welt.wordpress.com/category/lebenserinnerungen/kindheit/

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