Meine Kindheit – im Fotolabor meines Vaters

Ich muss etwa 8 Jahre alt gewesen sein, als mein Vater eines Tages mit einem gebrauchten Heimfotolabor für schwarz/weiß Bilder nach Hause kam.

Er bekam es von einem alten Fotografen, dem er am Wochenende geholfen hatte, sein Lager aufzuräumen.

Beim Aufbauen der Gerätschaften konnte ich natürlich zusehen.

Fürs Belichten und Entwickeln der Fotos wurde dann unsere Küche völlig abgedunkelt.

Nachdem mein Vater Sorge hatte, dass ich versehentlich, mit den toxischen und ätzenden Chemikalien in Berührung kommen, musste ich draußen warten.

Da er meine Neugierde nur zu gut kannte, war er gerne bereit, alle meine Fragen zu beantworten und mir die einzelnen Abläufe genauestens zu erklären.

Beim nächsten Mal durfte ich das Wasserbad und die Schalen für die einzelnen Entwicklungsstufen herrichten.

Das Entwicklungs- und Fixierbad wurde jedoch von ihm gefüllt.

Mein Vater bastelte für mich eine Schutzkleidung zusammen, damit ich nicht wieder draußen bleiben musste.

Es bestand aus einer alten Motorradbrille, einer drei Nummern zu großen Gummischürze, und Gummihandschuhen, die mir bis zum Oberarm reichten.

So ausgestattet durfte ich mit einer Holzklammer die belichteten Papiere aus dem Fixierbad fischen und im Wasserbad gründlich schwenken.

Anschließend wurden sie dann noch von mir zum Vortrocknen glatt auf einer Glasscheibe aufgezogen, damit sich das noch nasse Papier nicht wellte.

Dabei hatte ich gut darauf zu achten, dass die Bilder nicht übereinander lagen, um nicht festzukleben und damit unbrauchbar zu werden.

Mit einem Gummiroller presste ich das letzte Wasser raus, damit es keine Wellen oder Wasserflecken gab.

Später hatten wir eine beheizbare Presse, die das Arbeiten bedeutend leichter machte.

Nach einem halben Jahr war ich soweit, die ersten einfachen Bilder selbst belichten zu können, allerdings unter der Aufsicht meines Vaters.

Wir hatten manchmal gut zu tun die Fotos von Verwandten und Bekannten zu entwickeln.

Wobei ich hauptsächlich die Grobarbeit machte, während mein Vater Zeit damit zubrachte, das Material, wenn nötig, zu retuschieren bzw. kolorieren.

Für meine Hilfe klingelte es regelmäßig, ganz schön, in meiner Sparbüchse.

6 Antworten zu “Meine Kindheit – im Fotolabor meines Vaters

  1. Das muss eine wirklich schöne Zeit gewesen sein, gemeinsam mit Deinem Vater etwas zu bewerkstelligen.
    Soviel Aufmerksamkeit von Eltern zu bekommen ist alles andere als selbverständlich, und ich freue mich für Dich, dass Du das erleben durftest. ❤ ❤ ❤

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    • Ich könnte mir gut vorstellen, mein geliebtes Mausebärli ❤ , das es mit daran lag, wie gut wir uns verstanden, da er meist eher wie ein großer älterer Bruder für mich war.
      Es lagen ja auch lediglich knappe 20 Jahre zwischen uns und er hat sich seine jungendliche Leichtigkeit bis zu seinem frühen Tod erhalten.
      Was aber nicht bedeutete, dass er nicht auch streng sein konnte, wenn es um etwas wichtiges ging.
      ❤ ❤ ❤

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  2. Wir haben soviele Gemeinsamkeiten Dieter

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  3. Das liest sich richtig toll und Deine „Schutzkleidung“ sah ich bildlich vor mir.

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  4. Was für eine wunderschöne Kindheitserinnerung, lieber Dieter! 🙂

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