Meine Kindheit – meine erste Geschichte

In der vierten Klasse nahm ich, auf Drängen meiner Klassenlehrerin, an einem Schreibwettbewerb der Post teil.

Ich selber rechnete mir keine große Chance aus überhaupt bemerkt zu werden und vergaß die Sache auch rasch, nachdem die Abgabe erfolgte.

Daher fühlte ich mich ziemlich mulmig, als ich eines Tages aus dem Unterricht herausgerufen wurde, und mit meiner Klassenlehrerin zum Schulrektor sollte.

Auf dem ganzen Weg dorthin überlegte ich krampfhaft, was ich wohl wieder angestellt haben könnte, dass ich auf der Stelle dorthin zitiert wurde.

Immerhin fanden ernsthafte Gespräche mit ihm meistens in den Pausen statt.

Dort angekommen wunderte ich mich, dass der Rektor sich nicht alleine im Raum befand.

Ein anderer Mann, der als jemand von der regionalen Postdirektion vorgestellt wurde, war ebenfalls anwesend.

Dieser überreichte mir sogleich, mit vielen anerkennenden Worten, ein Buch „Peter Pan“ und eine Urkunde, für meinen ausgezeichneten Beitrag.

Zurück in der Klasse musste ich diesen dann, zu meinem Missvergnügen, laut vorlesen.

Ich stand nur ungern im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und meine Ohren glühten bestimmt, ebenso wie meine Wangen.

Es fühlte sich an, als hätte ich urplötzlich hohes Fieber bekommen.

Als meine Klassenlehrerin dann noch stolz verkündete, dass dieser Aufsatz im Postwettbewerb besonders ausgezeichnet wurde, fing mir das Ganze an, äußerst unangenehm zu werden.

Ich hoffte damals, dass ich deswegen dann im Schulhof nicht zu sehr damit aufgezogen werden würde.

Schließlich war ich alles andere als ein Musterschüler und hatte deshalb so etwas wie einen Ruf zu verlieren.

Das letzte, was ich sein wollte, war ein überschlaues Muttersöhnchen.

Doch damit nicht genug der Peinlichkeiten.

In der nächsten Pause der Rektor einen Aushang ans schwarze Brett gepinnt, die Gewinnerliste der Post, mit meinem Namen Rot und breit unterstrichen.

Außerdem stellte ich fest, dass ich der einzige aus meiner Schule war, der auf der Liste stand.

Aber die von mir befürchteten negativen Reaktionen meiner Mitschüler blieben weitgehendst aus.

Weitere Kindheitserinnerungen:
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Inhaltsverzeichnis – Lebenserinnerungen – Kindheit – Schule

10 Antworten zu “Meine Kindheit – meine erste Geschichte

  1. Dass Dir das peinlich war, kann ich mir vorstellen. Das ist ja auch mehr als peinlich, wenn man so vorgeführt wird. Aber ein wenig stolz auf Deine Leistung durftest Du schon sein.

    Vielleicht hofften der Rektor und Deine Lehrerin, dass sie einen Hemingway in ihrer Schule haben. Und später mal eine Gedenktafel angebracht wird, auf der dann steht, hier ist er einst zur Schule gegangen. 😀

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  2. Das ist eine so süß bittere Geschichte❤️Erstmal ein toller Erfolg, aber ich kann nachfühlen, wie du dich da als Kind gefühlt haben musst🦋🍀💫
    Danke fürs Teilen dieser Erinnerung🙏😉👍💪

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  3. Wenn man ein eher introvertierter, zurückhaltender Charakter ist, überfordert einen so eine Situation wie die von dir oben geschilderte natürlich. Das ist verständlich. Ich hoffe, dass du mit dem Abstand, den du jetzt dazu haben dürfest, stolz auf dich und deinen Beitrag sein kannst. 🙂

    Gefällt 2 Personen

  4. Hallo Dieter,
    das ist wirklich eine tolle Geschichte. Ich wünschte ich hätte solche Lehrer gehabt.
    Ich wünsche dir einen schönen Abend.
    Liebe Grüße
    Monika

    Gefällt 1 Person

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