Meine Kindheit – der große weiße Schäferhund

An einem Samstagmorgen, wir waren gerade dabei das Frühstücksgeschirr zu spülen, klopfte es ganz aufgeregt an unserer Wohnungstüre.

Die Nachbarin, welche manchmal auf uns aufpasste, stand zitternd davor und fragte, ob mein Vater da wäre.

Sie hätte ein Problem mit dem neuen weißen Schäferhund und ihr Mann nicht da.

Leider war mein Vater unterwegs und so ging meine Mutter mit hinüber.

Neugierig, wie ich mit meinen 7 – 8 Jahren war, schloss ich mich den beiden an.

In der anderen Wohnung sah ich dann den Hund in einer Ecke kauernd und leise vor sich hin heulend.

Die Nachbarin erzählte, dass ihr beim Versuch die Leine anzulegen der Karabinerhaken abgerutscht sei und nun in der Leftze des Hundes festhing.

Beim Versuch, es alleine heraus zu bekommen, hätte sie kein Glück gehabt.

Vielleicht könnte man es zu zweit hinbekommen.

Sie würde mit einem Stock das Gebiss blockieren und dann könnte meine Mutter in aller Ruhe das Ding entfernen.

Beide standen ziemlich aufgeregt und gestresst vor dem Tier, was dieses natürlich ebenfalls bemerkte.

Man konnte sehen wie es sich zitternd versteifte und bei den großen Zähnen würde auch nur ein halbherziger Zubiss schmerzhaft sein.

Das gefiel mir alles nicht und so bat ich darum, dass mich beide Frauen doch bitte mit dem Schäferhund alleine lassen möchten.

Da meine Mutter wusste, wie gut ich mit Hunden umgehen konnte, stimmte sie zu und nahm die Nachbarin am Arm, um ins Nebenzimmer zu gehen.

Danach ging ich langsam auf ihn zu und sprach beruhigend auf ihn ein, um mich in Armlänge Entfernung vor ihn hinzuknien.

Dabei hatte ich meine offenen Hände ruhig auf meinen Oberschenkeln liegen.

Schon nach kurzer Zeit sah man, dass er sich entspannte und mich neugierig beschnupperte.

Nun konnte ich daran gehen, mir das Malheur näher zu betrachten.

Als ich dann meine Hand Richtung des Karabiners ausstreckt, versuchte der Schäferhund meine Hand wegzuschieben.

Aber nach einem kurzen deutlichen „Aus“ ließ er dies und schaute mich mit großen erwartenden Augen an.

Ich kann mir gut vorstellen, dass so ähnlich die Augen aussehen, wenn man auf einem Zahnarztstuhl sitzt.

Mit einem „Jetzt musst du tapfer sein, denn es kann ein bisschen Wehtun“, Griff ich mit beiden Händen den schweren Doppelkarabinerhaken und im nächsten Moment war er entfernt.

Ein lautes deutlich hörbares Ausschnaufen zeigte mir, welche Erleichterung der Hund danach empfand.

Ein kurzes Nachsehen zeigte mir, dass es nicht so schlimm war und nur ein oberflächlicher Bluterguss vorlag.

Ich rief nach den beiden Frauen und ließ mir ein Küchenhandtuch mit Eiswürfel zur Kühlung der Stelle geben.

Wir saßen dann noch eine ganze Weile zusammen und erst jetzt bemerkte ich, wie groß der Hund eigentlich war.

Wenn er Stand konnte er bequem seinen Kopf auf meine Schulter legen.

Leider zogen die Nachbarn in den nächsten Wochen weg, da die Wohnung für drei Kinder, zwei Erwachsene und ein großer Hund viel zu klein war.

5 Antworten zu “Meine Kindheit – der große weiße Schäferhund

  1. Alle Achtung und das mit 7 oder 8 Jahren.

    Gefällt 2 Personen

  2. Das ist wieder so eine schöne, berührende Geschichte, du hattest wirklich schon früh eine große Empathie gegenüber allen Lebewesen! Schade, daß die Nachbarn so schnell weggezogen sind, das wäre bestimmt der Beginn einer langen Freundschaft geworden.
    Liebe Grüße
    Monika und Mimi.

    Gefällt 1 Person

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