Meine Kindheit – Gutenachtgeschichten

An den genauen Zeitraum kann ich mich nicht erinnern, aber es dürfte so zwischen meinem 4. und 6. Lebensjahr gewesen sein.

Zu dieser Zeit bekamen wir fast jeden Abend vorm Schlafen eine Gutenachtgeschichte vorgelesen (Grimms-Märchen, regionale Sagen und Ähnliches), entweder von unserer Mutter oder vom Vater.

Meine Mutter kannte die meisten der Märchen und Sagen aus ihrer eigenen Kindheit, doch meinem Vater waren sie fremd. Er hatte sie noch nie vorher gehört.

Aber trotzdem machte es ihm keine Probleme, sie uns mit entsprechenden Mimik, Gesten und Betonungen so vorzulesen, dass wir das Gefühl hatten, alles hautnah miterleben zu können.

Wenn mein Vater vorlas, war meistens das Licht, bis auf eine Leselampe aus.

Meine Mutter saß dann daneben, mit Handarbeiten beschäftigt, wie Knöpfe annähen, Löcher in Strümpfen stopfen oder sie strickte etwas für uns.

Für mich war dies immer ein schöner Abschluss des Tages, der mich anschließend tief und fest schlafen ließ.

Manchmal, erinnere ich mich, hatte ich dann von den vorgelesenen Erzählungen noch weiter geträumt.

Wie alles Schöne im Leben hörte auch diese Zeit einmal auf.

Meine Schwester beschäftigte sich irgendwann lieber mit etwas anderem und dazu abgewandt mit dem Rücken zu meinem Vater.

Ich erinnere mich gut daran, dass ich dieses Verhalten von ihr als ungehörig und beleidigend gegenüber unserem Vater empfand.

Doch ich bin sicher, dass das nicht der Grund war, denn viel zu sehr hatte er sich immer über meine Freude und Begeisterung darüber gefreut.

Sondern dass es die Tatsache war, dass meine Mutter wieder eine Vollzeitarbeit angenommen hatte, und folglich die ganze Hausarbeit am Abend erledigt werden musste.

Auch mein Vater hatte viel weniger Zeit, da er einen Nebenjob als Filmvorführer annahm, um für seine Familie ausreichender sorgen zu können.

9 Antworten zu “Meine Kindheit – Gutenachtgeschichten

  1. Diese Berichte lese ich ausgesprochen gerne. Mir gefällt auch, wie genau du als Kind schon bedeutende Kleinigkeiten bemerkt hast.

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  2. Solche herrlichen Vorlesestunden von Gute-Nacht-Geschichten kenne ich aus meiner Kinderzeit auch, und ich denk genau wie du immer noch so gerne daran. War immer so heimelig! Und ich hab das dann bei meinem Sohn weitergegeben, Erinnerungen für die nächste Generation.
    Schön, deine Kindheitserinnerungen, lieben Dank fürs teilen und liebe Grüße
    Monika.

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  3. Eine sehr schöne Erinnerung. Das hatte bestimmt nicht jeder.

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    • Ja, leider wurde es irgendwann durch Hörspielkasetten und wer weiß, was es da heute für gibt, abgelöst.
      Aber alles kein Vergleich zum Vorlesen durch die Eltern, finde ich zumindest.
      VG Dieter

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  4. Vielen Dank, lieber Dieter für diese schöne Geschichte aus deiner Kindheit.

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    • Dankeschön, es freut mich wenn sie gefällt
      VG Dieter

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      • Ja, bei uns gab es das selten. Meine Mutter hat zwar gern gelesen, aber lieber für sich. Und meine Oma, bei der ich später aufwuchs, war ein Arbeitstier, sie hatte selten Zeit für Schmusen und andere Zärtlichkeiten. Was nicht heißen soll, daß sie mich und meine Schwestern vielleicht nicht geliebt hätte. Sie wuchs einfach in einer Zeit auf, in der das noch nicht so üblich war.

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