Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Vigo Teil 2

Noch vorm Mittagessen bereitete ich mich langsam auf das bald stattfindende Treffen im Park vor.

Zum Glück hatte ich nach dem letzten Hafenaufenthalt, meine private Bekleidung auf Vordermann gebracht.

Viel zu früh, erschien ich an dem vereinbarten Treffpunkt, und begann unruhig den Brunnen zu umkreisen.

Dabei überlegte ich die ganze Zeit, was ich mache, sollte sie nicht kommen. Aber genauso wie es sein wird, wenn sie da ist.

Eine Mischung zwischen Hummeln im Bauch und leichtem Unwohlsein mit wackligen Knien.

Um so erleichtert fühlte ich mich, als ich sie dann erblickte und die ersten Worte der Begrüßung über meine Lippen kamen.

Bei der anschließenden ersten Runde durch den Park, traute ich mich sogar ihre Hand zu ertasten, sodass wir den weiteren Weg Hand in Hand schlenderten.

Als wir etwas später eine kleine Pause auf einer Bank einlegten, hätte ich sie nur zu gerne geküsst, wollte jedoch nicht zu vorschnell handeln.

Erst zur Verabschiedung an dem Nachmittag getraute ich mich ihr einen zaghaften Kuss auf den Mund zu geben, der allerdings von ihr stürmisch erwidert wurde.

Nur widerwillig trennten wir uns, mit dem Versprechen, am Abend nach der letzten Vorstellung, soviel Zeit wie möglich zu verbringen.

Damit wir uns nicht verpassen, erklärte sie mir, wo der Künstlerausgang des Tanztheaters ist und ab wann ich sie dort abholen könne.

Also kam ich in den nächsten Tagen kaum zum Schlafen, da ich Ausgang bis zum Wecken hatte, und wir jeden Abend und Nacht damit verbrachten, Vigo zu erkunden und unsere Seele baumeln zu lassen.

So verging die Zeit viel zu schnell bis zum Auslaufen meines Schiffes, und ich spielte tatsächlich mit dem Gedanken in Vigo zu bleiben.

Zum Glück war Monique, so war ihr Name, die Vernünftigere, und wir vereinbarten bis zum nächsten Treffen in regem Briefkontakt zu bleiben.

Dazu tauschten wir Bilder und Adressen aus, die leider bereits am nächsten Tag an Bord wie von selbst verschwunden waren.

Noch heute habe ich den Schiffskoch, der in der Koje über mir schlief, in Verdacht.

Denn er war einer der wenigen Kameraden, die voll mitbekamen, wie sehr es mich erwischt hatte.

Ich wartete die nächsten Monate darauf, etwas von ihr zu hören, doch möglicherweise erwartete sie, dass ich zuerst etwas von mir hören ließ.

Und so verblasste allmählich die Erinnerung an meine erste Marineliebe, wobei ein gewisser Schmerz im Herzen zurückblieb.

Fortsetzung folgt….

zum vor hergehenden Teil:

https://dieka56welt.wordpress.com/2018/03/03/meine-marinezeit-ueag-76-vigo-teil-1/

8 Antworten zu “Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Vigo Teil 2

  1. Erinnert trotz der Unterschied in der Zeit etwas an Eichendorff, der sich mit einer fremden Schönen in einem Park verabredete und ähnliche Erwartungen hatte, schüchtern und ängstlich war, aber doch voller Zuvertrauen und Hoffnung.

    Ja, die Zeiten ändern sich, aber die Gefühle der Verliebtheit und der sich anbahnenden Liebe bleiben immer die Gleichen, ob du als Sektretär in der mittelalterlichen Verwaltung arbeitest oder auf einem Flugzeugträger:

    Es ist immer schön, die ersten Schritte in romantischer Erwartung auf sich zuzugehen. Wie nüchtern erscheinein dagegen die „Dates“ über die Internetforen, wo man die Menschen erstmal nach ihren „Profilen“ auswählt.

    Auch ich hab mich schon übers Internet verliebt und bin es noch, aber ungesucht über das Bloggen, wo aus Freundschaft mehr werden kann. Diese „Liebes“-foren lehne ich für mich ab, auch wenn ich sie toleriere. Jeder sollte glücklich werden auf seine Art.

    Toller Fortgang der Geschichte, wenn auch traurig und enttäschend ausgegangen, aber solche Erlebnisse hatte ich auch viele, als ich noch in der Sturm- und Drangzeit war: Manchmal trifft auch einfach das Zitat zu: „Aus den Augen, aus dem Sinn ..“

    Oder die Vernunft siegt dann doch nach dem ersten Gefühlsüberschwang und die Dame wird sich bewusst, dass es keine Zukunft geben kann mit einem Seemann, der tausend Häfen anlegt, wo Amüsierviertel mit Tänzerinnen warten.

    Mit wieviel Frauen bin ich Hand in Hand geschlendert, die ich gerade erst kennen lernte an einem Ort, den ich nur an einem Tag besuchte. Die versäumten Möglichkeiten tun weh in der Erinnerung, aber wärst du mit einer Tänzerin im täglichen Leben glücklich geworden?

    Wäre ich glücklich geworden als Familienvater, früh verheiratet und mit all meinen Spleens, meiner Unreife, meinem Schweben und Wandeln über dem Vulkan, jetzt auch noch eine Familie ernähren zu müssen?

    Das Schicksal ist hart, aber weitsichtig und gerecht.

    LG PP

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    • Ja, so war eben die jugendliche Unbekümmertheit, kein Gedanke an Morgen oder ferne Zukunft.

      Und immerhin konnte ich mir dies großteils bis fast zum 40. Lebensjahr beibehalten.

      Die Liebe blieb jedoch bereits vorher irgendwann auf der Strecke, tief in meinem Herzen verborgen und von einer starken Mauer geschützt.

      Zum Glück wurde vor Jahren dann in Blog.de meine Liebe erneut aufgeweckt und ausgegraben und dass hoffentlich bis zu meinem Lebensende oder vielleicht sogar darüber hinaus.

      VG Dieter

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      • Wahre Liebe wirkt über den Tod hinaus. Als die Geliebte von Novalis starb, setzte er sich ans Grab und schrieb seine „Hymnen an die Nacht“. Er wusste nicht, was er tat, aber er hat durch seine Texte die Stilepoche der „Romantik“ gegründet.

        Lange vor Poe ging es bei ihm neuerdings um „Seele“, um „Gefühle“ und die Nacht wurde zum Symbol der folgenden Dichter, angefangen von Lord Byron, der das größte Vorbild Poes war und den er lange – etwa in „Tamerlane and other Poems“ – kopierte, aber auch schon originell variierte. Die Suche nach der „Blauen Blume“ wurde zum Symbol der Romantiker. Hesse hat anfangs Eichendorff kopiert, aber auch seine eigene Handschrift eingebracht. Die Entwicklung der lyrischen Romantik ist ein Weitergeben von Werten durch Generation und Generation. Und immer ist die Liebe die Essenz.

        Und was ist Lyrik anders, als ein Abbild des Lebens? Die Liebe schenkt dem Leben Sinn. Das symboliesiert die Blaue Blume und das symbolisiert der Heilige Gral.

        Und die Romantik ist tief verwurzelt in unserem Denken, denn selbst die Märchen sind von Romantik geprägt und eigentlich streng christlich, weil sie den Urglauben ausbilden und fördern, den Glauben, dass das Gute immer siegt.

        Ich bin Romantiker. LG PP

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