20.02.2018 – Dienstag , Tagebuch Teil 2 (Gedankensplitter – Langeweile)

Während ich heute den frischen Brotteig zubereitete, ging mir plötzlich ein Gedanke durch den Kopf.

Wann hatte ich eigentlich in den letzten 60 Jahren wirklich Langeweile empfunden bzw. was ist darunter zu verstehen?

Bereits als Kleinkind konnte ich mich gut mit mir alleine beschäftigen und meine Schwester störte regelmäßig meine selbst gewählte Ruhe.

Das einzige Mal, an das ich mich erinnern kann, eine Untätigkeit als quälender Zustand zu empfinden, dürfte gewesen sein, als ich mit circa 4 – 5 Jahren im Krankenhaus auf der Quarantänestation mit verdacht auf toxische Masern lag.

Die ersten Tage alleine in einem fast kahlen weißen Raum, zu matt um aufzustehen und nur gelegentlich durch Schwestern oder Ärzte, die alle vermummt waren, kurzzeitig besucht.

Wobei ich auf diese Besuche gerne verzichtet hätte, denn meist bedeutete es Blutabnahme oder Spritze.

Daher stammt vermutlich meine Abneigung gegen Ärzte, Krankenhäuser, Spritzen und Medikamente allgemein.

Sobald ich jedoch einigermaßen bei Kräften war, begann ich das Zimmer mit den Augen Zentimeter für Zentimeter zu untersuchen.

So intensiv, dass ich noch heute das Gefühl habe, wenn ich mich konzentriere, es exakt beschreiben zu können.

Nach ein paar Tagen, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, durfte ich dann aufstehen und konnte mir die Zeit damit vertreiben, aus dem Fenster, die Gärtner des Krankenhauses oder die direkt gegenüberliegende Gärtnerei, mit ihren Gewächshäusern zu beobachten.

Auch ein Fußballplatz lag in Sichtweite, der mir manchen Abend die Zeit bis zum Schlafengehen beim Zuschauen angenehmer machte.

Diese erzwungene Untätigkeit Mangels Spielzeug oder fehlender Inspiration meine Gedanken schweifen zu lassen, war wohl Langeweile, gepaart mit Einsamkeit, da ich das erste Mal ohne meine Familie war.

16 Antworten zu “20.02.2018 – Dienstag , Tagebuch Teil 2 (Gedankensplitter – Langeweile)

  1. ich wünsche uns nun doch endlich den Frühling, Klaus

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  2. Lieber Dieter, das lässt erkennen, dass Du ganz offensichtlich ein zufriedenes Kind warst und deshalb in Dir ruhen konntest.
    Wenn Kinder sich von Geburt an geborgen fühlen, und nichts sie ängstigt, was sie nicht verstehen können – also mindestens bis zum etwa 3. Lebensjahr – dann dürfen sie sich glücklich schätzen, solche tollen Eltern erwischt zu haben, die für diese Geborgenheit gesorgt haben.
    Wie schön, dass Du zu diesen Glücklichen gezählt hast, mein Bärchen. ❤ ❤ ❤

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  3. Ja, das sieht man wieder, wie die frühkindlichen Erfahrungen sich tief in die Seele einprägen, was in sensiblen Seelen ein „kleines“ Trauma oder eine frühkindliche Störung auslösen könnte. Wegwischen aus der Seele kann man das nicht einfach. Beim einen sind es zwei Wochen, andere liegen im Gipsbett für ein halbes Jahr in jungen Jahren. Aber sie dürfen wenigstens täglich besucht werden.

    Und das sind Dinge, die unsere Entwicklung mitprägen und die wir lange mit uns tragen. Aber dass du jetzt drüber sprechen kannst – vielleicht hast du auch schon früher drüber gesprochen – ist immerhin eine Art Befreiung, auch wenn du es nach all den Jahren nicht so extrem empfindest.

    Was die Langeweile betrifft, so hat Karl Lagerfeld einmal gesagt: „Ich langweile mich nie: Es gibt keine Langeweile, es gibt nur langweilige Menschen.“ Ich finde diesen Modeschöpfer übrigens auch nicht langweilig, weil er ja auch fotografiert und Bücher liest. Eine impossante Erscheinung, etwas weg vom Mainstream, etwas überkandidelt, aber doch ein Original.

    Aber ich muss sagen, dass ich mich auch nie alleine gelangweilt habe, sondern eher bedauerte, wie schnell die Zeit doch vergeht und dass – je älter ich werde – mir immer weniger Zeit bleibt für die Dinge, die mir wichtig sind.

    Manche sind allein und trotzdem nicht einsam. Andere sind nicht allein und trotzdem einsam. So ist das Leben, lieber Dieter.

    Schönen Abend, LG PP 😉

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    • Für mich war es eine Erfahrung, das man alles irgendwie überstehen kann, wobei das Schlimmste das Gefühl der Langeweile darstellte.

      Plötzlich wird die Zeit zäh, träge und erdrückend.

      Wünsche dir auch einen schönen Nachmittag und Abend
      Viele Grüße
      Dieter

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      • Also eher eine positive Erfahrung, die dich auf das Leben vorbereitet hat nach dem Motto: Was uns nicht tötet, das macht uns noch stärker.

        Du bist ja auch als Reisender immer allein gewesen und hast diese Unabhängigkeit vielleicht auch genossen, obwohl du auf See auch gelernt hast, im Team zu arbeiten, wo jeder auf den anderen angwiesen ist.

        Ein spannendes Leben. wohl ein Roman, den das Leben schrieb. Dabei offenbarst du hier nur die kleinste Spitze dieses Eisberges.

        Und ich dachte wirklich mal, du wärst ein Spießer: Umgekehrt ist der Fall. Ich muss noch verdammt viel lernen. Mea Culpa 😉

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        • Ich habe gerade mal circa 280 – 300 Erinnerungen aus meinem Leben aufgeschrieben und dabei erst 20 Jahre bedacht, mit zum Teil großen Lücken.
          Wobei ich davon nur einen kleinen Teil bisher im öffentlichen Blog gepostet habe.
          Beim Schreiben komme ich oft selbst ins Staunen, was sich so alles ereignete bzw. ich erlebte und mich zu dem werden lies, der ich nun bin.
          Viele Grüße
          Dieter

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          • Wird vielleicht doch noch ein Roman, der einen Verlag findet.

            Aber ich denke genauso: Das Gute und das Schlechte im eigenen Leben war nötig, um der zu werden, der ich bin.

            Und ich möcht mit keinem tauschen 🙂

            Auch wenn ich das aus einem früheren Blickwinkel des Lebens sage. Aber die Vergangenheit prägt uns und wir sind nicht, sondern wir werden mit jeder Lebensstunde wieder neu wir ..

            Gruß PP

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        • Was ist ein Spiesser P.P. ?

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  4. Ist vielleicht beides falsch, denn ich glaube, es liegt an Toleranz. Spießer sind nicht tolerant, sie erkennen nur ihre eigenen Werte an und blicken auf Menschen herab, die anders denken und leben.

    Das heißt, dass einer, der anders denkt und lebt, auch ein Spießer sein kann, wenn er die Spießer nicht toleriert. Ich toleriere alle Lebensarten und verstehe alles. Aber ich nenne das Kind gern beim Namen, was von manchen als Abwertung empfunden wird, aber eigentlich nicht abwertend gemeint ist.

    Schweres Thema, bei so Dingen, wo es um Menschen geht, in die man eigentlich nicht wirklich reinsehen kann und auch eigentlich nichts wirklich weiß. Jedes Urteil ist nur ein Vorurteil, aber ohne Vorurteil geht es nicht: Wir schieben schon jeden erstmal nach den ersten Eindrücken in eine Schublade.

    Davon bin ich auch nicht befreit. Aber ich revidiere mein Vorurteil peu à peu. Und das geht wohl jedem so. Man kann auch keinen Menschen auf „Spießer“ reduzieren, weil ein Leben ja wirklich mehr ist, als an einer Eigenschaft festgemacht zu werden.

    Insofern war deine Frage: „Was ist ein Spießer?“ eine sehr weise Art der Reaktion. Danke darür, denn du hast mich zum Nachdenken gebracht, ohne mich zu kritisieren und mich dahin geführt, ein wenig gewachsener und klüger mit solchen Schlagworten umzugehen, die auch erschlagen können. Ich lerne. LG PP ❤

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  5. I have read a few good stuff here. Certainly worth bookmarking for revisiting. I wonder how much effort you put to create such a excellent informative website.

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