Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Brest (Hummeressen)

Der zweite Hafen, nämlich Brest, eine alte Fischer- und Kriegsmarinestadt, wirkte mit seinen hohen alten Mauern und grauen Häusern sehr düster und bedrückend.

Und um diese Enttäuschung zu kompensieren, machten wir Unteroffiziere uns zu fünft auf den Weg, um in einem der besten Restaurants im Hafen zu speisen.

Etwas ganz Besonderes sollte es sein, hatten wir uns vorgenommen.

Als wir das Lokal betraten, mussten wir feststellen, dass wir uns nicht nur vom Alter her, sondern auch durch unsere Kleidung von den anwesenden Gästen sehr unterschieden.

Und waren angenehm überrascht als wir, nachdem wir beim Empfang unsere Wünsche vortrugen, sogleich wie alte Stammgäste behandelt wurden.

Man stellte für uns drei Tische zusammen, und hatten einen eigenen Tischkellner, der nur dafür da war, uns zu bedienen.

Noch nicht einmal Wein oder Wasser durften wir uns selbst nachschenken.

Kaum streckte einer von uns die Hand nach einer Flasche oder Karaffe aus, war schon ein emsiger Geist an seiner Seite um dies zu erledigen.

Und sehr bald wurde unsere Bestellung von fünf grossen Atlantikhummern, mit Unmengen an Beilagen, da jeder Hummer für 4 Personen gedacht war, vor uns und auf Beistelltischen serviert.

Bisher hatte keiner von uns zuvor Hummer gegessen, und so passierte es öfters, dass sich beim Knacken des Panzers Teile davon selbstständig machten.

Für uns alle eine riesige Gaudi, aber nicht so für unseren Tischkellner.

Alles schmeckte so vorzüglich, dass zwischendurch sogar das Tischtuch gewechselt werden musste, da es wie auf einem kleinen Schlachtfeld aussah.

Bei der Hummersuppe und dem Nachtisch ging es jedoch etwas gesitteter zu.

Dieses Vergnügen kostete uns pro Person knappe 150 DM, was aber noch im Rahmen unseres vorher vereinbarten Budget lag.

Anschließend beschlossen wir zum Abschluss des Essens noch in ein Café zu gehen, welches uns vom Tischkellner empfohlen wurde.

Die Tortenstücke, die wir dort bestellten waren nicht nur frisch gebacken und mit vier Tortenböden doppelt so hoch, sondern jedes Stück auch doppelt so groß, wie wir es aus Deutschland kannten.

Aber auch dies packten wir, mit Hilfe einiger Liter guten starken Kaffees.

Am Heimweg machten wir noch Halt in einer Fischerkneipe, um zwecks schnellerer Verdauung noch ein paar Schnäpse nachzuleeren.

Wollten wir doch unbedingt vermeiden, dass sich dieses Festgelage, beim Hinlegen auf dem schaukelnden Schiff, unfreiwillig wieder von uns verabschiedet.

Fortsetzung folgt….

zum vorhergehenden Teil:
https://dieka56welt.wordpress.com/2018/02/03/meine-marinezeit-ueag-76-der-1-hafen-stavanger/

4 Antworten zu “Meine Marinezeit – ÜAG 76 – Brest (Hummeressen)

  1. Da hätte ich gerne zugesehen, wie gut Ihr Euch amüsiert habt.
    Muss eine unvergessliche Zeit gewesen sein?
    ❤ ❤ ❤

    Gefällt 1 Person

  2. Das muss sein als Ausgleich für die Entbehrungen auf See. Hätte man euch eigentlich bezahlen müssen. Die Banker setzen andere Gelder als Spesen ab. Und die Matrosen waren wohl im Puff zusammen mit den Oberoffizieren 😉

    Ist auch nicht schlecht: Leben und leben lassen. Ich mach nur Spaß ..

    Schönen Abend noch und erholsamen Sonntag. LG PP

    Gefällt 1 Person

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