Weihnachten und Jahreswechsel nach dem Mauerfall

Eine Woche vor Weihnachten teilte mir einer der Programmierer mit, dass alles bestens in Ordnung sei, bis auf ein paar Kleinigkeiten, was die Bilanzausgabe betraf.

Er war sich aber ganz sicher, dass er das in den nächsten Tagen in den Griff bekommt, bevor er mit seiner Familie ins Ferienhaus nach Frankreich fahre.

Einen Tag vor Weihnachten jedoch kam er zu mir, und bat mich noch eine Kleinigkeit in seinem Programm nachzutragen, für das er keine Zeit mehr hat, um pünktlich zu seiner Familie, die bereits im Ferienhaus in Frankreich weilte, losfahren zu können.

Seiner Aussage vertrauend, dass es wirklich nur ein kleiner Logikfehler wäre, der im Handumdrehen gefunden ist, erklärte ich mich dazu bereit.

Im guten Glauben hatte ich ein angeblich fast fertiges Programm von einem erfahrenen externen Programmierkollegen übernommen, und druckte mir erst einmal den Quellcode aus, um in aller Ruhe zu Hause nach einem Logikfehler zu suchen.

Auf den ersten Blick sah es für mich wirklich nur nach einer Kleinigkeit aus, jedoch bei genauerer Betrachtung musste ich feststellen, dass da weit mehr im Argen lag, als nur ein kleiner Logikfehler.

Am 2. Weihnachtsfeiertag, nach Stundenlangem intensiven Suchens und Testens, entschloss ich mich dann doch das ganze Programm neu zu schreiben. Was allerdings auch bedeutete, die nächsten Tage ausschließlich im Büro zuzubringen.

5 Tage und 80 Arbeitsstunden später hatte ich es dann auch geschafft, ein komplett neues Bilanzierungsprogramm zu schreiben.

Und die Nacht des 31. Dezembers verbrachte ich damit, es auch mit allen nötigen fachlichen Spezifikationen zu testen.

Nur weil der diensthabende Operator Mitleid mit mir hatte, bekam ich den Jahreswechsel überhaupt mit. Denn pünktlich ein paar Sekunden vor Mitternacht tauchte auf meinem Bildschirm ein Countdown auf.

So hatte ich gerade noch Zeit das schöne Feuerwerk über Frankfurt aus dem 29. Stock des Bürohochhauses zu betrachten, bevor ich mich wieder an die Arbeit machte.

Da die endgültigen Daten sowohl der westlichen als auch der neuen östlichen Filialen erst ab 2. Januar zur Verfügung standen, war es mir vergönnt, einen Großteil des ersten Tages im neuen Jahr, auszuschlafen.

Pünktlich einen Tag vor der Pressekonferenz lagen die Bilanzen dem Vorstand auf dem Tisch, und damit war eines meiner größten Projekte noch mal in letzter Minute gerettet.

Es war allerdings auch damals das letzte Mal, dass ich einem Mitarbeiter volles Vertrauen schenkte.

Was zur Folge hatte, dass ich keine Möglichkeit mehr sah, meine rund 400 Monatsstunden zu reduzieren, und was letztlich auch etwa 15 Jahre später zu meinem endgültigen Zusammenbruch führte.

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