Werkstattrechner und Speicherplatine

Im ersten Jahr (Anfang 1980) nach meiner Ausbildung als Programmierer und Systemanalyst war ich noch Angestellter in einem Serviceunternehmen, das sich auf die ersten eigenständigen Rechensysteme spezialisiert hatte. Diese Bürocomputer, wurden überwiegend zur reinen Textverarbeitung eingesetzt.

 

Da mir aber kein eigener Computer, aus Kostengründen, zur Verfügung gestellt wurde, musste ich mir die Arbeitszeit mit einem Kollegen einteilen. Und so war ich froh, als ich von der technischen Abteilung das Angebot bekam, einen der dort vorhandenen Testracks auszuleihen.

 

Hardware: Z80 CPU mit 48 KB (= 48.000 Zeichen) Hauptspeicher und 1 Floppy Disk-Station (8 Zoll = ca. 180 – 300 KB Speicherkapazität), Monochrombildschirm (schwarzer Hintergrund mit kleinem blinkenden Cursor am linken unteren Bildschirmrand).

 

Das Ganze war in einem offenen Metallgestell eingebaut, sodass die Techniker jederzeit schnell Zugriff auf die einzelnen Bauteile hatten, und auch ein neu zu Testendes leicht eingebaut werden konnte.

Ein kompletter Computerarbeitsplatz kostete damals noch mindestens ein Jahresgehalt, so zwischen 30.000 und 50.000 DM in der Minimalausstattung und diese selbst gebaute Konstruktion nur ein Bruchteil davon.

 

Jetzt konnte ich also jeden Tag kleine Programme/Textbausteinfunktionen nach Kundenvorgaben in Basic bzw. Text-Basic oder Assembler programmieren.

 

Eines Tages war ich wieder einmal am Testen eines etwas länger dauernden Sortiervorganges (der damals noch zwischen 10 und 15 Minuten dauern konnte), und dachte mir, kurz einen Kaffee holen zu können.

 

Als ich mit diesem zurückkam, war mein Bildschirm schwarz, und ich vermutete, dass er mal wieder einen Wärmefehler hat.

 

Nachdem ich alle möglichen Lösungsmöglichkeiten ausgeschöpft hatte, und das stetige Brummen der Bildschirmröhre anzeigte, dass eigentlich alles in Ordnung sein müsste, warf ich einen Blick in sein Innenleben, wo ich sofort sah, dass meine Speicherplatine verschwunden war.

 

Erbost darüber machte ich mich sofort auf den Weg zur Serviceabteilung, um zu erfahren, wer mir den Hauptspeicher ausgebaut hatte. Und wurde allen Ernstes von dem schuldigen Techniker gefragt, ob ich diesen denn benötigen würde.

 

Und das war immerhin ein Ingenieur mit zwei Diplomen (Elektrotechnik und Computertechnik) und einer der Besten seines Jahrgangs, der nicht dafür bekannt war, Scherze zu machen.

 

Mein ihn durchbohrender Blick schien ihm allerdings sofort klargemacht zu haben, dass ich auf der Stelle meine Speicherplatine zurück wünsche, die ich dann auch sofort erhielt.

 

Beim gemeinsamen Mittagessen war dies natürlich dann das Hauptthema, und ich fürchtete den Kampf um meinen Computer zu verlieren.

 

Doch zu meiner übergroßen Freude stellte der Geschäftsführer, mit einem Augenzwinkern in meine Richtung, klar, dass mein, mir zur Verfügung gestellter Computer, kein Ersatzteillager der Techniker wäre.

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4 Antworten zu “Werkstattrechner und Speicherplatine

  1. Offensichtlich hat ER das gute Stück gebraucht, und war in der Position sich zu nehmen, was er braucht.

    Oder hätte das doch ein Scherz sein sollen, den ich nur nicht verstanden hatte?

    liebe Grüsse
    Michi

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  2. Die Nummer ist ja auch scharf..unglaublich, was ein Typ..

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    • Und dabei habe ich mich normalerweise sehr gut mit ihm verstanden … er hatte mir ja auch das Werkstattrack besorgt und zusammengebaut….

      Aber vor lauter Übereifer hat er nicht richtig nachgedacht….

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